Schweizer Franken: Ignorieren Sie Ihre Bank

Das Nervenkostüm von Franken-Kredit-Nehmern hat sich in den vergangenen Monaten deutlich gebessert. Dafür hauptverantwortlich ist die Schweizerische Nationalbank (SNB), die am 6. September 2011 den Mindestkurs zum Euro bei 1,20 Franken festlegte und sich verpflichtete, diese Marke notfalls mit unbeschränkten Interventionen zu verteidigen.

Mit dieser Maßnahme hat die SNB zwar hauptsächlich die exportlastige Schweizer Wirtschaft im Auge, als "Nebenprofiteur“ gilt freilich jeder Franken-Kredit-Nehmer in der Eurozone. Und davon gibt es gerade in Österreich eine ganz Menge.

Der von der SNB durchgesetzte Mindestkurs gilt nun als Sicherheitsnetz. Trotzdem werden heimische Banken nicht müde, bei Franken-Kredit-Nehmern "freundlich anzuklopfen“, um eine Konvertierung in einen Euro-Kredit anzubieten. Dabei wird das aktuelle Franken-Niveau gegenüber dem Euro gern als "Window of Opportunity“ bezeichnet, das Schuldner möglichst nutzen sollten, um einer Konvertierung zuzustimmen.

Ich rate Betroffenen, jegliche dieser Avancen abzuwehren. Es gibt keinerlei Handlungsbedarf. Das gilt vor allem für jene Kreditverträge die noch eine lange Laufzeit ausweisen. Wer also noch zehn Jahre oder mehr zur Bedienung seiner Schuld hat, der braucht sich nicht zu fürchten. Die Entwicklung der Schuldenkrise spricht eher dafür, dass sich der Franken auch ohne weitere Intervention der SNB abschwächt. Schließlich gilt die Schweizer Währung als sicherer Hafen. Das heißt auch: Je schneller der Risikoappetit von Anlegern wieder steigt, desto mehr dürfte der Franken abwerten.

Betroffenen, die dem Druck der Banken erlegen sind oder via Stop-Loss-Klausel zwangskonvertiert wurden, sei rechtlicher Beistand angeraten. Die Chancen stehen gut, dass das Vorgehen in vielen Fällen keiner gerichtlichen Betrachtung standhält.

- Jochen Hahn

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