Saufen in Seoul

Florian Horcicka über südkoreanische Trinksitten.

Nach Dienstschluss auf ein Bier mit Kollegen und dem Chef – was in Österreich gemütlich endet, artet in Südkorea bisweilen zu wüsten Gelagen mit bizarren Ritualen aus. Beim Elektronik-Riesen Samsung gibt es etwa folgenden Brauch: Gemeinsam zieht die Belegschaft von einem Karaoke-Lokal zum nächsten, um dort kräftig zu tanken. Dann wird ein Untergebener zum Diener seines Chefs ernannt und muss diesem Getränke einflößen. Wer sich dem heiteren Brauch widersetzt, wird die nächsten Wochen gemobbt. Na dann, prost!

Aber Samsung greift jetzt hart durch und hat eine spaßbremsende 1-1-9-Regel aufgestellt: Die trinkfesten Koreaner – die pro Kopf übrigens mehr Wodka trinken als die Russen – dürfen nur noch in einem Lokal feiern, nur eine Sorte Alkohol zu sich nehmen und müssen um neun Uhr abends zuhause sein. Die für ihre Innovationskraft bekannten Samsung-Mitarbeiter fanden bereits eine Taktik gegen diese Regel: Sie beginnen früher mit dem Trinken. Ein Blick auf adventliche Punschstände bringt immerhin den ermutigenden Beweis: Mit Südkorea können wir punkto Saufen mithalten. Bei den Ergebnissen der PISA-Studien leider nicht. Und eine Frage bleibt auch noch offen: Warum haben die Samsung-Fernseher trotzdem so verdammt scharfe Bilder?

- Florian Horcicka

Dem Autor auf Twitter folgen:

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten