Sand im Getriebe: Herbert Hacker den Tel Aviv-Beach

Der neue Tel Aviv Beach von Haya Molcho am Donaukanal ist cool, chic und ein Hotspot am „Canal Grande“ Wiens, dort, wo auch Motto am Fluss und das Badeschiff seit einiger Zeit um die Gunst der Gäste rittern.

Eine lange, helle Bar, irgendwo im hinteren Bereich eine kleine Küche, und offenbar um etwas Strandfeeling am Kanal zu erzeugen, wurden kleine weiße Sessel und Tische aus Plastik auf einer Sandfläche locker verteilt.

Sand im Getriebe ist hier aber vor allem beim Personal. Die Leute, die hier bedienen, wirken ausnehmend lustlos und überfordert. Zuerst wird einem eine Plastik-Speisekarte hingeknallt, viel später dann die Bestellung aufgenommen. Das funktioniert mittels eines kleinen elektronischen Geräts, das die Kellnerin in Händen hält. Gelangweilt registriert sie die Bestellung: „Ich hätte gern einen Cheeseburger, Entschuldigung, nein, lieber wären mir Fish & Chips.“ Antwort: „Das geht jetzt nicht mehr, ich hab den Cheeseburger schon eingetippt.“ Das nennt man flexibel! Und wie schmecken hier Fish & Chips? Die Fischstücke, in der Karte als „knusprig gebackener Zander“ ausgewiesen, macht sogar Käpt’n Iglo besser. Und die Kartoffeln sind zum Heulen geschmacklos.

Nicht ganz so schlimm ist der Hummusteller, der asiatische Salat vom Rind hingegen erreicht wieder das Niveau von Fish & Chips. Und die Portion New Yorker Pastrami? Das gute Stück vom Rind hätte die Reise über den Großen Teich besser nicht antreten sollen, denn es ist leider eine einzige geschmackliche Enttäuschung.

Alles ziemlich lässig hier. In den Gesichtern der Leute, die hier sitzen, mischt sich zur aufgesetzten Entspanntheit auch ein wenig Ratlosigkeit. Aber so ist das eben mit dem Essen und Service am Sand.

NAME: Tel Aviv Beach
ADRESSE: 1020 Wien, am Donaukanal, gegenüber dem Ringturm
ÖFFNUNGSZEITEN: täglich 10–22 Uhr
PREISE: Vorspeisen bis 7,50, Hauptspeisen bis 17 Euro

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