Rudi haut Gutes in die Pfanne: Herbert Hacker empfiehlt "Rudis Beis" in Wien

Sie sind eindeutig die Gewinner der Wirtschaftskrise: die Beisln und Wirtshäuser der Mittelklasse. Dort sitzen zu Mittag jetzt all jene, die noch vor kurzem in hochpreisigen Gourmettempeln nach Lust und Laune zechten.

Wiens Beislwirte können sich damit über eine neue Klientel freuen. Es sind Herrschaften in eleganten Anzügen, die jetzt plötzlich gruppenweise einfallen. Ganze Chefetagen sind in Sachen Business-Lunch einen ganzen Stock tiefer gerutscht.

Krisengewinner Wirtshaus
Zu den Krisengewinnern zählen vor allem die guten Wirtshäuser und bekannten Edelbeisln, in denen man für relativ wenig Geld viel bekommt. Eines davon ist Rudis Beisl. In dieser Kultstätte der Wiener Wirtshausszene war der Zulauf allerdings schon vor der Krise enorm. Jetzt ist die Chance auf einen freien Tisch noch geringer geworden. Die überdurchschnittliche Beliebtheit verdankt dieses unschuldig hellblaue Lokal vor allem dem Wirt, der gar nicht Rudi heißt, sondern Christian Wanek. Dass er dennoch immer wieder mit Herr Rudi angesprochen wird, erträgt er mit milder Gelassenheit.

Verblüffend grundnormal
Wanek ist nicht nur ein launiger Zeitgenosse mit einer innigen Beziehung zu seinen Stammgästen, der Mann kann vor allem ziemlich gut kochen. Was immer er in die Pfanne haut, verdient Hochachtung und Applaus, und zwar nicht deshalb, weil er sich damit in lichte Höhen kochen will, sondern ganz im Gegenteil – Tafelspitz oder Schweinsbraten, Zander oder Forelle, Gebackenes oder Geschmortes: Jedes Gericht ist auf eine verblüffende Weise grundnormal und schmeckt wohl auch deshalb so gut. Irgendwie ist das wie ein Hundertmeterläufer, der souverän gewinnt, obwohl er gar nicht Erster sein will.

Name: Rudis Beisl
Adresse: 1050 Wien, Wiedner Hauptstraße 88, Tel.: 01/544 51 02
Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 11.30–15 und 18–23 Uhr
Preise: Vorspeisen bis 8, Hauptspeisen bis 16 Euro

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