Robert Winters Geldtipp der Woche: Geld machen mit Zahncreme-Muffeln

Der aus Cambridge stammende Fondsmanager Graham French liebt Veränderungen. Vor einigen Jahren hatte er im aktuell 5,2 Milliarden Euro schweren Weltaktienfonds M&G Global Basics (GB0030932676) Rohstoffaktien hoch gewichtet. Ab 2007 begann er den damals 40 Prozent hohen Anteil zu reduzieren. Im Gegenzug setzte der Fondsmanager, der an der Universität von Durham Geografie studierte, verstärkt auf Aktien von Konsumgütermultis. Auf Papiere dieses Sektors kommen aktuell bereits 30 Prozent des Fondsvermögens.

Der taktische Schwenk hat sich für Anleger gerechnet. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre legte der M&G Global Basics trotz Finanzkrise um 28 Prozent zu, während der Weltaktienindex MSCI World, in Euro gerechnet, 2,7 Prozent verlor. Noch deutlicher fällt die Abrechnung ab dem Fondsstart am 17. November 2000 aus: Während der M&G Global Basics insgesamt plus 107 Prozent brachte, hat der MSCI World 41 Prozent verloren.

Zahnhygiene und Pizza

Der fußballbegeisterte Fondsmanager French – ein Fan des FC Arsenal – ist überzeugt, dass die Wirtschaft in den Schwellenländern gerade die nächste Entwicklungsstufe erklimmt. Deshalb setzt er beim Aktienkauf speziell auf Papiere von Unternehmen, deren Geschäft in den aufstrebenden Staaten floriert. Dazu zählt etwa Colgate-Palmolive, das mit der Präsenz in Indien Marktführer bei Zahncreme ist. Das Potenzial für steigende Umsätze ist hoch, ist doch für 84 Prozent der Inder die Nutzung von Zahncreme noch nicht üblich.

Wie man dem Volk Mundhygiene schmackhaft macht, hat Colgate-Palmolive bereits in Südamerika bewiesen. Vor zehn Jahren herrschten in puncto Zähneputzen noch ähnliche Zustände wie heute in Indien. Mittlerweile steht Colgate in Lateinamerika mit einem Marktanteil von 78 Prozent an vorderster Front. Hohe Dynamik in Asien traut Fondsmanager French auch dem US-Unternehmen Yum! Brands zu, das weltweit Fast-Food-Restaurants über Franchisingkonzepte betreibt und in China etwa mit den Ketten Pizza Hut und KFC präsent ist.

Weil viele Chinesen die Ess- und Lebensgewohnheiten aus dem Westen übernehmen, hat French auch Papiere von Starbucks im Portfolio. Vom Kopieren des westlichen Essverhaltens profitiert darüber hinaus der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé, dessen Aktie mit einer Gewichtung von rund vier Prozent zu den größten Positionen des M&G-Fonds zählt. Vom Einstieg in chinesische Aktien hält Fondsmanager French derzeit dagegen nichts, entzieht doch die chinesische Regierung der Börsenfantasie durch Spekulationsbeschränkungen den Boden.

winter.robert@format.at

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten