Robert Winters Geldtipp der Woche: Das Motto für jede Lage: Geld ist kein Spielzeug

Auch wenn es überraschend klingt, viele Privatanleger und die Verwalter großer Beträge können vom weisen Paracelsus lernen. Der Leitspruch des Gelehrten lautete: ­„Dosis sola venenum facit“, auf gut deutsch: „Allein die Menge macht das Gift.“ Der legendäre Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph, der zwischen 1493 und 1541 lebte, hätte sicher nicht erwartet, dass seine Erkenntnis bis ins 21. Jahrhundert nicht nur bei Ärzten und Apothekern, sondern ebenso bei der Geldanlage brandaktuelle Gültigkeit haben wird.

Aufgeladen mit toxischen Papieren  
Wie hochgradig giftig die einseitige Ausrichtung eines Depots oder die Konzentration auf eine spezifische Wertpapierart sein kann, bekamen zahllose Anleger seit 2007 zu spüren. Heute sind all jene, die einen zu großen Anteil ihres Vermögens oder sogar ihr ganzes Geld in die jahrelang boomenden und als bombensicher eingestuften österreichischen Immobilienaktien legten, ­eines Besseren belehrt. Dass auch waschechte Profis einmal danebenliegen können, beweist der Fall der Bundesfinanzierungsagentur, wo zu lange darauf vertraut wurde, dass die sogenannten „Structured Investment Vehicles“ tatsächlich so sicher sind, wie die Topratings vermuten ließen. Einer der Kritikpunkte des Rechnungshofs: Bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2007 wurden die Bundesgelder relativ einseitig veranlagt.

Gefährliche Falle
Zu wenig Streuung ist eine gefährliche Falle, vor der Nobelpreisträger Harry Markowitz bereits im Jahr 1952 nachdrücklich warnte. Der Wissenschaftler hat damals mit seiner modernen Port­foliotheorie mathematisch bewiesen, dass sich die einseitige Ausrichtung ­eines Wertpapierdepots als Bumerang erweisen kann. Sein praktischer Tipp, den jeder Investor beherzigen sollte: Man muss immer danach trachten, eine Mischung von Wertpapieren im Depot liegen zu haben, die sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln. Anders gesagt: Man soll nie alle Eier in einen Korb legen. Zur Vermeidung eines Klumpenrisikos ist es deshalb wichtig, die gegenseitige Abhängigkeit der wichtigsten Wertpapierarten zu kennen und zu analysieren. Die einfachste Möglichkeit dazu liefert die mathematische Korrelation, die zwischen plus eins und minus eins liegen kann. Dabei weist eine Korrelation von plus eins darauf hin, dass sich zwei Wertpapierarten vollkommen ident entwickeln, der Wert minus eins steht für vollkommen gegensätzliche Kursverläufe.

Formel vom Nobelpreisträger
So zeigt sich seit 1993, dass die Korrelation von Österreich-Anleihen zu heimischen Aktien minus 0,11 beträgt. Daraus folgt, dass die Kombination beider Anlagearten gut geeignet ist, das Risiko eines Depots nach unten zu drücken. Als besonders wirkungsvolles Instrument zur breiten Streuung erweist sich Gold. Der Verlauf des Goldpreises hat mit Österreich-Aktien und -Anleihen, deutschen Dividendenwerten und Immobilienpapieren so gut wie gar nichts zu tun. Übrigens: Für den Zusammenhang zwischen den wichtigsten Anlageklassen Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Edelmetalle und auch Hedgefonds gibt es jeweils einen eigenen Korrelationswert. Darauf sollte man beim optimalen Depot-Mix à la Nobelpreisträger Markowitz achten. Denn Geld ist kein Spielzeug.

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