Robert Winters Geldtipp der Woche: Baumwolle, Palmöl, Bier und Wursthaut

Wie hoch der Ernteausfall in Russland wegen der nach wie vor brütenden Hitze sein wird, steht noch in den Sternen. Mitte der Woche stieg jedenfalls die Quecksilbersäule in manchen Regionen auf 39 Grad. Fakt ist außerdem, dass die größte Dürre seit 130 Jahren die Weizennotierungen an der Terminbörse in Chicago alleine im Juli um mehr als 40 Prozent nach oben trieb. Der Zuckerpreis stieg wegen Wetterkapriolen in Brasilien und Indien im Juli um mehr als 20 Prozent. Bei Baumwolle läuft die Rallye schon seit langem, die Fasern haben sich auf Jahressicht sogar um rund 60 Prozent verteuert.

Die drei Beispiele sind symptomatisch für die gesamte Landwirtschaft. Die globale Erwärmung führt zu einer Zunahme von extremen Wetterphänomenen und damit zu Ernteausfällen. Auf der anderen Seite steigt die Weltbevölkerung und damit der Bedarf an Agrargütern immer mehr an, zumal in Staaten wie China als Wohlstandsphänomen zunehmend Fleisch verzehrt wird. Weil die Fleischproduktion deutlich mehr Energie benötigt als vegetarische Kost, steigen sowohl der Getreidebedarf als auch die Verarbeitungsintensität überdurchschnittlich.

Schwerpunkt Schwellenländer

Der Branchenaktienfonds Espa Stock Agriculture (ISIN AT0000A08TF7) setzt umfassend auf das Thema Landwirtschaft. Rund 33 Prozent des Fonds sind in Titel aus dem Bereich Agrarrohstoffe investiert. Der größte Titel ist der malaysische Palmölproduzent Kuala Lumpur Kepong Berhad, der über die Kette Crabtree & Evelyn auch im Handel tätig ist. Der zweitgrößte Titel im Fonds ist die chinesische Chaoda Modern Agriculture, die Obst und Gemüse anbaut und vertreibt. Die beiden Aktien sind durchaus charakteristisch für den Fonds, der zu insgesamt rund 40 Prozent direkt in Schwellenländer investiert.

28 Prozent des Fonds bilden Lebensmittelverarbeiter wie AmBev, die größte Brauerei Lateinamerikas, oder die chinesische Shenguan. Spezialität dieser Firma ist die Erzeugung von Wursthäuten. Ein durchaus profitables Geschäft, wie die in dieser Woche präsentierte, überraschend gute Bilanz belegt.

27 Prozent investiert Espa-Fondsmanager Gerhard Schrotter in große, meist in den USA domizilierte Agrarchemiekonzerne wie Monsanto, der Saatgut und Spritzmittel in Paketen verkauft, oder den Kali-Produzenten Potash. Mit dieser Quote ist der Fonds deutlich schwächer in Agrarchemiekonzernen investiert als vergleichbare Branchenfonds.

Der Fonds legte in den vergangenen 12 Monaten um 23 Prozent zu. Die aktuelle Lebensmittelknappheit könnte die eine oder andere Aktie im Fonds beflügeln. Allerdings setzt Fondsmanager Schrotter eher auf Unternehmen, die sich möglichst unabhängig von kurzfristigen Preisschwankungen entwickeln.

winter.robert@format.at

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