Riesenchance für RieGi: Herbert Hacker über den jungen Alexander Sowinetz

Es ist eines jener Wiener Gourmet-Restaurants, die mit einer ausgesprochen bewegten Vergangenheit aufwarten können. Vor langer Zeit hieß das Lokal „La Ninfea“ und war der Herzeigebetrieb des in Wien lebenden Italieners Luigi Barbaro.

Der emsige Neapolitaner holte irgendwann später den Extremkoch Harald Riedl an Bord, aus dem „La Ninfea“ wurde das „RieGi“. Harald Riedl genoss in der Wiener Gastronomie lange Zeit einen ähnlichen Ruf wie der irre Klaus Kinski in der Filmbranche. Wo immer der äußerst reizbare, aber geniale Koch auftrat, flogen die Küchenmesser in Augenhöhe (sinnbildlich gesprochen natürlich).

Der Kollateralnutzen: ein Michelin-Stern für das RieGi
Riedl hat das RieGi aber inzwischen verlassen und kocht seit einiger Zeit im Vincent im zweiten Bezirk. Im RieGi leitet seither Riedls Souschef Alexander Sowinetz die Küche. Und der 26-Jährige tut das mit überraschender Bravour. Er ist damit ein weiteres Beispiel dafür, dass Souschefs mitunter besser kochen als ihre ungleich berühmteren Chefs. Sowinetz legt natürlich Wert auf die Feststellung, dass er von Riedl unglaublich viel gelernt hat. Muss er auch sagen, und wahrscheinlich stimmt das auch. Doch dem Gast kann das egal sein, er will bloß wissen, ob er im RieGi jetzt gut essen kann oder nicht.

Die Antwort: Die Küche ist mindestens so gut wie vorher, besonders die Fischgerichte gelingen ganz hervorragend. Gebratene Rotbarbe im orientalischen Sud, Dorade Royale auf Bohnencasoulette – beides ausgezeichnet.

Junge Köche wie Alexander Sowinetz sind eindeutig im Vormarsch. Mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lust am Kochen sorgen sie für Ergebnisse, die man nicht erwarten würde. Und das ist ihre große Chance.

Name: RieGi
Adresse: 1010 Wien, Schauflergasse 6, Tel. 01/5329126 Öffnungszeiten: Di.–Sa. 12–23 Uhr
Preise: Vorspeisen bis 17, Hauptspeisen bis 28 Euro

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten