Quoten-Debatte: Warum wehren sich
Firmen gegen weibliches Potenzial?

Wir sind so sozialisiert, dass es in Österreich als Frau schon ein Ansinnen ist, wenn man überhaupt berufstätig ist und sich im Beruf verwirklichen möchte. Vom nächsten Schritt, auch Führungsanspruch zu haben, sind wir noch weit weg.

Das mag im 21. Jahrhundert übertrieben klingen, aber sobald Frauen Kinder bekommen und berufstätig sein wollen, sind wir rasch mit tradierten Vorstellungen der Mutterrolle und dem daraus resultierenden schlechten Gewissen konfrontiert wie auch mit dem Mangel an flächendeckender Ganztagsbetreuung für Kinder.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

In Bezug auf die Debatte um die Transparenz bei Gehältern stehen wir vor zwei Herausforderungen. Die eine lautet klassisch: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Hier kann Gehaltstransparenz – natürlich unter Einhaltung der Vertraulichkeit der individuellen Daten – etwaige Unterschiede sichtbar machen. Viele internationale Konzerne wie auch Infineon haben Gehaltsschemata auf internationalem Niveau, die auf Basis von Qualifikation und Berufserfahrung differenzieren, wo aber die Geschlechterfrage in der Entlohnung längst keine Rolle mehr spielt.

Deutlich schwieriger ist die zweite Herausforderung, nämlich die geschlechtsspezifische Ungleich-Entlohnung, dort zu lösen, wo Berufe wie Frisörin oder Verkäuferin aufgrund ihrer „Verweiblichung“ zu Niedriglohnberufen geworden sind. Wo bestimmte Berufssparten aufgrund dessen, dass sie hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden, ein schlechteres Entlohnungssystem aufweisen als sogenannte „Männerberufe“. Da stellt sich die Frage: Ist ein Mechaniker nach Abschluss der Lehre mehr wert als eine ausgebildete Kindergärtnerin? An der Beseitigung solcher Formen von Ungleichheit gilt es sukzessive zu arbeiten im Sinne einer geschlechtergerechten Einstufung nach Qualifikation und Arbeitsleistung.

Gläserne Decke

Auf der höheren Bildungsebene sind wir mit dem Phänomen konfrontiert, dass die Mehrzahl der Hochschulabgänger junge Frauen sind. Wo verlieren wir diese Frauen auf dem Karriereweg? Neben dem kinderbedingten „Karriereknick“ treffen Frauen auch auf die oft nicht klar erkennbare „gläserne Decke“. Oft ist aber auch die eigene weibliche Sozialisation ein Hindernis: Frauen wollen oft lieber gefragt werden, als sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Es ist daher für Frauen wichtig, zu wissen, was man wirklich will, bereit zu sein, eine Karriere auch durchzuziehen, wenn es schwierig ist, und nicht immer den Anspruch zu haben, perfekt sein zu müssen – und auch männliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn wir über Frauenquoten in Topmanagementfunktionen sprechen, müssen wir uns ganz genau anschauen: Wo macht das Sinn, wo nicht? Der reine Appell, Frauen für Top-Positionen vorzusehen, fruchtet ja nicht. Anhand der Politik sehen wir, dass eine Quotenregelung erfolgreich umgesetzt werden kann. Andererseits glaube ich nicht, dass es möglich sein wird, quer über alle Branchen 40 Prozent Frauen in Führungspositionen zu bekommen.

Es gibt einfach Branchen, dazu zählt auch meine eigene, die Elektronikbranche, die unter Frauenmangel leiden. Wenn gerade einmal fünf Prozent der Studierenden im Fach Elektrotechnik Frauen sind, wäre es nicht sinnvoll und hilfreich, in einem technischen Unternehmen eine Vorstandsquote oder eine Aufsichtsratsquote von 40 Prozent einzuführen. Es gibt aber andere Branchen, wo es überhaupt kein Thema sein dürfte, dass man die Kompetenzen von Frauen über Quoten forciert. Die anderen Unternehmen wie zum Beispiel Infineon können durch konkrete Zielsetzungen mit Fördermaßnahmen die Ernsthaftigkeit nachweisen.

Natürlich will keine Frau Quotenfrau sein

Frauen wollen genauso wie Männer Anerkennung für ihre Erfahrungen und ihre Kompetenzen. Ich frage mich aber, warum viele Unternehmen immer noch auf weibliche Potenziale verzichten. Unternehmen wären gut beraten, die Talente von Frauen zu stärken und zu nützen. Kreative Lösungen, die den Arbeitsalltag besser mit dem Privatleben vereinbar machen, würden Frauen und Männern dabei helfen, Karriere zu machen und dennoch ein glückliches Familienleben zu führen. Und wie man am Beispiel Politik sieht, wird heute keine Ministerin als Quotenfrau eingestuft, sondern wie ihre männlichen Kollegen am Erfolg ihrer Arbeit gemessen.

- Monika Kircher-Kohl
CEO der Infineon Technologies Austria AG

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