Punktesammler & Selbstverwirklicher

Michael Schmid über das sinnlose Anjammern gegen die logischen Konsequenzen aus der zunehmenden Verzahnung von Studien- und Berufsphasen.

Das Jammern, hieß es einst, sei der Gruß der Kaufleute. Wo Kaufmänner früher jammerten, sprechen Manager heute Herausforderungen an. Jammern scheint dagegen zum Erkennungscode vieler Bildungsexperten zu werden. Die einen beklagen den Verlust des Humboldt’schen Bildungsideals durch die Jagd der Studierenden nach Credit Points, der Leitwährung der Bologna-Studienarchitektur. Andere wähnen das und dazu die geistigen Grundlagen des aufgeklärten Abendlands durch Zugangsbeschränkungen zu überlaufenen Fächern oder eine Studieneingangsphase zwecks Klärung der Eignung für eine bestimmte Studienrichtung in Gefahr.

Im Gegensatz dazu sind die meisten Studenten im richtigen Leben angekommen: Intelligenz bedeutet auch, sich an Rahmenbedingungen anpassen zu können. Die Verzahnung von Studium und Berufsleben nimmt zu und läuft vielleicht so: Bachelor – Job – berufsbegleitender Master. Oder: Job – berufsbegleitender Bachelor – Karrieresprung – Master – Aufstieg in den Vorstand. Das wird manchmal eher effizientes Punktesammeln an Hochschulen erfordern als Vertiefung in Detailfragen. Prioritäten setzen ist nun einmal eine Kernkompetenz. Bildung ist Menschenrecht, Neigungsstudium zur Selbstverwirklichung nicht!

- Michael Schmid

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