Pferdefleisch-Keule trifft EU-Prügelknaben

Florian Horcicka über ungerechte Schuldzuweisungen an das EU-Armenhaus Rumänien. Üble Klischees trüben den Blick auf wahre Verursacher des Fleischskandals in Westeuropa.

Die Schuldfrage im Pferdefleisch-Skandal war für Westeuropa rasch geklärt. Nicht nur, dass Bettler, angebliche Diebesbanden und Billig-Arbeiter aus Rumänien die wohlhabenden Städte fluten – jetzt verleidet uns das Balkanland auch noch den Genuss von Würsteln, Döner und Fleischbällchen. Das entspricht dem gelernten Anti-Süd(Ost)-Europa-Komplex so zivilisierter Länder wie England, Deutschland und auch Österreich. Begriffe wie Korruption, mafiöse Strukturen und Faulheit sind offenbar unausrottbare Vorurteile. Drei Tage Vor-Ort-Recherche in Rumänien strafen diese Lügen. Weder werden dort Antibiotika-gedopte Gäule geschlachtet, noch fehlt es an Hygiene. Vielmehr dienen die Tiere als Existenzgrundlage bitterarmer Familien. Jedes Pferd (ob tot oder lebendig) braucht einen Pass und unterliegt tierärztlicher Kontrolle.

Da die Rumänen selbst kaum Pferdefleisch essen, wird es um gutes Geld exportiert. Und zwar genau in die Länder, die jetzt den größten Wirbel schlagen. Dabei beginnt dort der Skandal erst. Offenbar saisonal bedingte Überangebote werden bunt gemischt durch den Fleischwolf gedreht und mit unrichtigen Etiketten unters Volk gebracht. Und schuld sollen die Rumänen sein. Die finden das zu Recht nicht zum Wiehern.

- Florian Horcicka

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