Parkraumbewirtschaftung in Wien: Schwachsinn zur Potenz

Ja, ich bin überzeugter Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel, innerhalb Wiens – doch das hat sich grundlegend geändert.

Parkraumbewirtschaftung in Wien: Schwachsinn zur Potenz

Donnerstag, 9.00 Uhr – Park & Ride-Anlage Wien Hütteldorf: Vor der Anlage stehen zwei Herren mittleren Alters mit gelben Warnschutzwesten. Ich ahne Übles. Ob ich denn eine Wochen- oder Monatskarte für die Anlage habe, so die freundliche Frage der Parkhausangestellten.

Ja, seit Monaten eine Monatskarte, weil ich es schätze mein Auto in der P&R-Anlage abzustellen und dann stressfrei mit den Öffis in die Innenstadt zu fahren. Leider ist die alte aber abgelaufen und ich wollte mir gerade eine neue lösen.

Tut uns leid, das Parkhaus ist voll. Bitte was? Ja, die Park&Ride-Anlage – ursprünglich gebaut um Pendlern den Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel, in diesem Fall die U4, schmackhaft zu machen, ist zum Bersten voll. Kein Platz mehr.

Pech gehabt, schießt es mir im ersten Moment ein. Einmal in fünf Monaten ist ja nicht schlimm. Muss ich mir halt in der Nähe eine Parkplatz suchen, ist zwar rund um den Bahnhof Hütteldorf nicht leicht, aber ein paar Minuten Gehweg sind ja nicht weiter schlimm denke ich mir.

Was folgt ist eine echte Überraschung: Rund um den Bahnhof herrscht gähnende Leere – Parkplätze en masse. Wo man bisher erst nach einiger Zeit Suche eine Parklücke fand, gibt es jetzt mehr als genug Parkplätze – allein nicht für Pendler. Denn der Bereich rund um den Bahnhof wurde für diese zur Sperrzone – sprich Kurzparkzone – erklärt.

Mit dem Effekt, dass die Park & Ride-Anlage voll ist und nicht wenige Autofahrer sich weiter in die Stadt vorwagen, oder ihr Auto in Hietzing abstellen. Dort jedenfalls parken so viele Autos wie nur zuvor. Vor allem und auch mit niederösterreichischen Kennzeichen. Und ich ahne schon den nächsten Schritt: Die Kurzparkzone rund um den Bahnhof wird weiter ausgedehnt und wohl bald ganz Hütteldorf und auch Hietzing umfassen.

Ich jedenfalls habe heute mein Auto in der Wiener Innenstadt abgestellt und auf eine Benützung der Öffis verzichtet. „Weil’s eh schon Wurscht ist“ – wie es so schon heißt. Die Frage ob das im Sinne des Umweltschutzes ist, der ja immer wieder als „Feigenblatt“ für die Parkraumbewirtschaftung herhalten muss, richten Sie bitte an jene, die sich dieses grandiose neue (pendlerfeindliche) Konzept überlegt und durchgeboxt haben.

P.S.: Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass es bei der sogenannten "Parkraumbewirtschaftung" gar nicht so sehr um eine vernünftige Gestaltung von Verkehrsflüssen geht, sondern letzlich nur ums Abkassieren. Wie sonst liesse sich erklären, dass das was bisher rund um den Hütteldorfer Bahnhof funktioniert hat jetzt über den Haufen geworfen wurde.