Päpstlicher als der Papst

Päpstlicher als der Papst

Angelika Kramer über selbst ernannte Hüter der Corporate Governance.

In Sachen Aktionärskultur haben uns die Deutschen viel voraus. Hauptversammlungen sind dort echte Hauptversammlungen, in denen Aktionäre tatsächlich von ihrem Mitspracherecht Gebrauch und manchmal auch vehement ihrem Ärger Luft machen. Schon manch mächtiger Konzernboss in Deutschland musste sich von selbstbewussten Kleinaktionären auf die Finger klopfen lassen. Verglichen damit sind österreichische Hauptversammlungen Kindergeburtstage, bei denen der Kampf ums lauwarme Buffet danach meist die heißeste Angelegenheit ist.

Angefacht durch sogenannte Proxy Advisors meist amerikanischer Provenienz verkommt nun die deutsche Aktionärskultur aber zusehends zur Unkultur. Diese selbst ernannten Hüter von Corporate Governance tun den hart erarbeiteten Aktionärsrechten einen Bärendienst. Wolfgang Mayrhuber bekam die neue Aktionärs(un)kultur diese Woche mit voller Härte zu spüren. Regelkonform blieb er der Lufthansa zwei Jahre fern, bevor er als Aufsichtsrat zurückkehrte – zu kurz für die Aktionärsberater. Außerdem sitzt der Österreicher in drei Aufsichtsräten großer Unternehmen abseits der Lufthansa – zu viel für die Aktionärsberater.

Da ist man ausnahmsweise einmal richtig froh darüber, dass der österreichische Markt zu klein und unbedeutend ist. Sonst kämen diese „Berater“ womöglich auch noch auf die Idee, österreichischen Unternehmen ihre teils absurden Vorstellungen von Corporate Governance aufzuzwingen. Und viel päpstlicher als der Papst sollte man auch in der Aktionärskultur nicht sein.

- Angelika Kramer

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten