Orange/3: Kaputt geprüft

Seit Anfang Mai prüfen EU-Kommission und heimische Wettbewerbsbehörden die angemeldete Übernahme des Handynetzbetreibers Orange durch den Konkurrenten Hutchison 3G Austria ("3"). Und auch nach sechs Monaten penibler Prüfung ist den Beamten in Brüssel offenbar noch nicht klar geworden, ob das Verschwinden eines Marktteilnehmers zu steigenden Preisen führen könnte oder ob es sich um eine gesunde Marktbereinigung handelt.

Das ist - zumindest - außergewöhnlich. Denn Österreich ist das EU-Land mit den niedrigsten Handynetztarifen, das ist in einer Stunde im Internet leicht zu recherchieren. Und die Fusion würde einen Marktteilnehmer schaffen, der deutlich weniger als 25 Prozent Marktanteil hat. Das niedrige Preisniveau ist für die Konsumenten auf den ersten Blick zwar wunderbar, hat aber auch eine Kehrseite: Die Gewinne der Unternehmen sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken – und mit ihnen die Investitionsbereitschaft. Orange hat bereits seit 2011 die Handbremse angezogen und überlässt das Zukunftsthema LTE (Long Term Evolution, der Weltstandard für schnelle Datenübertragung) den anderen, und der Marktführer A1 Telekom kürzt seine Dividenden dramatisch.

War Österreich noch beim Ausbau von UMTS in Europa trotz schwieriger Topographie im EU-Spitzenfeld, hinkt es nun hinterher. Während in Deutschland schon mehr als 80 Großstädte und Städte ausgerüstet sind, gibt es in Österreich gerade einmal einige Testgebiete. Dies auch deswegen, weil die Versteigerung weiterer Funkfrequenzen von der Fusionsgenehmigung abhängt. Während die Bürokraten in Brüssel und Wien auf den „Nur ned Hudeln“-Modus geschalten haben, sind die Unternehmen zum Teil in einer misslichen Lage: Orange geht Insidern zufolge das Geld langsam aus, und die Eigentümer – unter ihnen die France Telecom - haben im Vorfeld der Übernahme keine Veranlassung und noch weniger Lust, noch Geld nachzuschießen. Einem heimischen Vorstandschef zufolge wird es so oder so bald einen Betreiber weniger in Österreich geben – fusioniert oder kaputtgeprüft ist keine so tolle Auswahl an Optionen für einen Betreiber, der unter dem Namen „One“ in Österreich noch Innovationsführer war.

Einige Experten in Brüssel betonen, dass der eigentliche Grund für die Verzögerungen klare wirtschaftspolitische Signale an China seien, denen zufolge staatsnahe Unternehmen in technologisch sensiblen Bereichen nicht besonders erwünscht seien. So hat der Netzwerkhersteller Huawei wegen seiner Nähe zu Chinas Militär und Staat Aufträge in Frankreich verloren. Auf die börsenotierte Hutchison trifft die direkte Staasnähe zwar nicht zu, allerdings hat die österreichische Tochter ihr Netz an die staatsnahe chinesische Entwicklungsbank verkauft und zurückgeleast.
Doch auch hier sollte Europa erst vor seiner eigenen Türe kehren: Noch vor zehn, 15 Jahren war der alte Kontinent das Weltzentrum der Handyindustrie. Heute frägt man sich, wo sie denn alle geblieben sind: Ericsson, Nokia, Alcatel, Siemens, Philips und einige andere sind von der Bildfläche nahezu verschwunden. Und mit ihnen auch die europäischen Alternativen zu Huwei, ZTE, HTC, Samsung, Apple, Motorola und anderen.
Die EU-Kommission sollte sich deshalb eher die Frage nach einer völlig verfehlten EU-Industriepolitik stellen, anstatt eine Mini-Fusion über viele Monate zu blockieren.