Österreich als "Alpine Valley" Europas

Hannes Ametsreiter, seit fünf Jahren Vorsitzender des Management Boards und CEO der Telekom Austria Group, wünscht sich für Österreich mehr Unternehmen, die Start-ups unterstützen, eine hervorragende digitale Infrastruktur und Rahmenbedingungen, die Unternehmertum und Innovation fördern.

Österreich als "Alpine Valley" Europas

Manager stehen oft vor der Herausforderung, dass sie Gewohntes oder Bewährtes verändern müssen, weil neue Technologien oder Entwicklungen am Markt eine Anpassung erforderlich machen. Zumeist führt das zu Konflikten, weil die Strukturen ja aktuell noch funktionieren und es daher für viele Betroffene auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist, dass sich etwas ändern muss.

Als Unternehmer und Manager muss man jedoch künftige Entwicklungen antizipieren, um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können. "Wenn Sie ein erfolgreiches Unternehmen sehen, hat irgendjemand einst eine mutige Entscheidung getroffen", lautet ein Zitat des von mir sehr geschätzten Peter Drucker, des Vordenkers des modernen Managements. Wir legen heute den Grundstein für den Erfolg oder Misserfolg Österreichs in der Zukunft. Ein Abwarten und Verzögern schadet uns allen.

Genau deshalb fordern wir Manager derzeit, dass auch die Politik zwar unpopuläre, aber für die Zukunft umso wichtigere Entscheidungen trifft. Gerade in schwierigen Zeiten braucht es große Visionen. Dass es hilft, eine große Vision zu artikulieren, um Veränderung möglich zu machen, lehrt uns die Geschichte: John F. Kennedy wollte, dass die USA einen Mann auf den Mond bringen. Warum? Weil es technologischen Fortschritt ermöglicht und eine Nation für eine spannende Zukunft begeistert.

Österreich hat sich auch derart große Visionen verdient. Meine Vision für Österreich wäre, dass wir zum "Alpine Valley" Europas werden. Die Tatkraft und Kreativität der Menschen wäre jedenfalls vorhanden. Wir selbst unterstützen am A1 Start-up Campus junge Unternehmen bei ihren ersten Schritten am Markt, und es begeistert mich jedes Mal aufs

Neue, wie diese jungen Unternehmer ihre Visionen umsetzen. Was es braucht, sind zum einen mehr Unternehmen, die ähnlich wie wir Start-ups unterstützen, zudem eine hervorragende digitale Infrastruktur (Stichwort Breitbandausbau) und Rahmenbedingungen, die Unternehmertum und Innovation fördern, statt durch Bürokratie zu behindern.

Von Silicon Valley zum Alpine Valley

Österreich kann das "Alpine Valley" Europas werden. Wir müssen es nur wollen und die notwendige Infrastruktur schaffen. Dies kann aber nur gelingen, wenn private Investitionen auch gefördert werden. Hier ein Beispiel aus der Praxis: Als größtes Kommunikationsunternehmen Österreichs sind wir tagtäglich mit Wünschen nach eine Verbesserung der Breitband-Infrastruktur konfrontiert. Eine gute IT-Infrastruktur ist für die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger ebenso entscheidend wie für Industriebetriebe. Zudem lockt ein Ausbau der IT-Infrastruktur neue innovative Unternehmen nach Österreich und bringt dem Staat nachgewiesenermaßen sogar höhere Steuereinnahmen, als er für die Anschubförderungen ausgibt. Das BIP Österreichs wäre 2020 deutlich höher, es gäbe mehr Wachstum, weniger Arbeitslose. Jedes Jahr späterer Ausbau kostet uns jüngsten Studien zufolge 1,5 Milliarden Euro bzw. 0,5 Prozent des BIP.

Doch für die Anschubfinanzierung ist in Österreich kein Geld vorhanden. Dabei würde dadurch nicht nur der Wirtschaftsstandort Österreich modernisiert, sondern auch der ländliche Raum gestärkt; und unterm Strich hätte der Staat 2020 durch mehr Steuereinnahmen sogar mehr Geld in der Kassa als ohne Breitbandausbau. Eine volkswirtschaftliche Maßnahme, die sich binnen sechs Jahren rechnet.

Eigentlich ein Traum: In vielen Unternehmen würde man einen derartigen Business Case sofort umsetzen. Aber man müsste dafür Budgets umschichten und dabei jemand anderem etwas wegnehmen. Die Verlierer hätten dafür natürlich kein Verständnis, und damit landen wir wieder beim Thema Leadership. Mutige Entscheidungen sind zum aktuellen Zeitpunkt oft unverständlich und unpopulär, erst Jahre später zeigt, dass man richtig lag. Dennoch braucht es gerade jetzt mutige Visionen, die Wirtschaft und Politik gemeinsam umsetzen: ein "Silicon Valley" mitten in den Alpen

Zur Person:
Hannes Ametsreiter ist seit fünf Jahren Vorsitzender des Management Boards und CEO der Telekom Austria Group. Seit 2010 führt er zudem als CEO die A1, die aus dem Merger der Mobilfunk-und Festnetzsparte hervorgegangen ist. Ametsreiter startete seine Konzernkarriere 1996 bei der Mobilkom Austria im Produktmanagement.