Öde Hummer-Nummer: Herbert Hacker über das Lobsterdock am Wiener Karlsplatz

Bernhard Rieder hat es im Laufe der Zeit zu einer erstaunlichen Medienpräsenz gebracht und taucht immer wieder im Fernsehen oder in bunten Gazetten auf. In seinem eigentlichen Beruf als Koch liegt seine beste Zeit schon ein wenig zurück – vor allem als Küchenchef im „Das Turm“ ist er vor Jahren durchaus positiv aufgefallen.

Danach wurde es um den kochenden Hansdampf in allen Töpfen eher still. Jetzt kocht er seit einiger Zeit im „Lobsterdock“ am Karlsplatz – gleich mehrere Etagen tiefer im Souterrain. Dort wird, wie der Name zu Recht vermuten lässt, viel Hummer aufgetischt.

Gegen einen kreativen Umgang mit dem Krustentier ist nichts einzuwenden, doch was soll ein „gesurter Hummer mit Spargel, Bohnen und Erbsen“? Warum muss das arme Tier denn gesurt werden? Gänzlich befremdlich ist aber die Kombination „Joghurt-Hummer mit ­Rote-Rüben-Risotto“. Weicher ist der Hummer durch das Joghurt sicher nicht geworden, im Gegenteil, er ist hart wie ein Gummiknüppel. Und nichts passt so wenig dazu wie ein ­Rote-Rüben-Risotto – eine kulinarische Entgleisung. Ähnlich verhält es sich mit dem „gebratenen Hummer mit karamellisiertem Chicoree und gesurtem Kalbskopf“. Doch auch andere Gerichte lassen zu wünschen übrig: Die Hummer-Bisque ist belanglos, die frittierten Sprotten sind trocken wie Backpapier, und die Bouillabaisse hat mit dem Original so wenig zu tun wie das Mittelmeer mit dem Wiener Gänsehäufel.

Die Kellner (sehr freundlich) haben Mitleid und bringen einen ganz normal gebratenen Hummer – diesmal halbwegs schonend gegart. Und der ist wirklich gut – der Rest völlig entbehrlich.

Name: Lobsterdock
Adresse: 1010 Wien, Karlsplatz 5, Tel.: 01/505 38 39
Öffnungszeiten: Mo.-So. 16.30 – 2 Uhr
Preise: Vorspeisen bis 19,50, Hauptspeisen bis 38 Euro

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