Nur 20.000 Euro pro Bank sind wirklich sicher

Jeder Bankmanager unterstützt wohl schon aus Eigeninteresse den Vorschlag, endlich die 51.000-Euro-Einkommensgrenze zu valorisieren, ab der der Höchststeuersatz von 50 Prozent kassiert wird. Schließlich müsste der Betrag schon seit Jahren inflationsbedingt angepasst werden. Das Gleiche gilt aber auch für die Einlagensicherung. Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestbetrags von 20.000 Euro ist in Österreich schon lange überfällig. Angesichts der globalen Bankenkrise besteht sogar akuter Handlungsbedarf. Übrigens: In den USA werden Spareinlagen bis zu 100.000 Dollar, das entspricht rund 70.000 Euro, garantiert, und es wird derzeit sogar eine deutliche Erhöhung debattiert.

Gerüchte können Panik auslösen. Eine kräftige Erhöhung der 20.000-Euro-Grenze ist auch im Interesse der Banken. Falls ein Institut – gleich ob begründet oder nicht– ins Gerede kommt, könnten sonst Tausende Sparer ihr Geld zu retten versuchen, was sogar solide Banken in Zahlungsschwierigkeiten bringen würde.
Auch wenn österreichische Banken im europäischen Branchenvergleich zu den sichereren Unternehmen zählen, ist ein Worst Case nicht völlig auszuschließen. Schließlich sind Banken weltweit vernetzt, sodass ein Problemfall in einem Land weite Kreise ziehen kann. So bürgen Banken über sogenannte Credit Default Swaps (CDS) in einem fast unvorstellbaren Ausmaß von 55.000 Milliarden Dollar für Außenstände anderer Banken. Dabei garantiert eine Bank gegen Zahlung einer Art Versicherungsprämie gegen den Ausfall der Kredite oder Anleihen einer anderen Bank – was im schlimmsten Fall zu einem Dominoeffekt führen könnte.

Angesichts der weltweiten Finanzkrise sind diese Zitterprämien rasant in die Höhe geschnellt. Wer zum Beispiel eine fünfjährige Anleihe der isländischen Kaupthing Bank via CDS absichern möchte, zahlt derzeit 16,55 Prozent Prämie. Und selbst bei der Schweizer Großbank UBS werden derzeit über 3 Prozent verlangt. Auch bei österreichischen Banken haben sich die Sätze seit Sommer 2007 auf 1,5 bis 2 Prozent verzehnfacht.
Privatkunden können sich nicht über CDS absichern. Deshalb sollte man sich das Schutzniveau genau ansehen. Banken aus dem Sparkassen-, Raiffeisen- und Volksbanken-Sektor bieten zusätzliche Sicherungssysteme. Die 100-prozentige staatliche Sicherheit besteht aber auch dort nur für Spareinlagen und Girokonten bis zu einem Gesamtguthaben von 20.000 Euro pro Person.
Es ist deshalb sinnvoll, hohe Beträge nicht einer einzigen Bank anzuvertrauen, sondern breiter auf mehrere Banken zu verteilen. Dann kann man auch noch ruhig schlafen, falls sich die Bankenkrise weiter verschärft.

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