Mobilfunk: Jetzt wird an der Preisschraube gedreht...

Mobilfunk: Jetzt wird an der Preisschraube gedreht...

Die neuen Tarife, die A1 nun angekündigt hat, sind sehr mutig – oder ein Vorzeichen, dass der Wettbewerb der Mobilfunker zu einem Schattenkampf wird.

Die Telekom Austria hat für ihre Mobilfunksparte A1 ein Tarifkonzept vorgestellt, das gelinde gesagt erklärungsbedürftig ist. Man ist es ja gewohnt, dass solche Tarife stets mit Marketing-Rauchbomben explodieren, doch so nebulös wie diesmal war es noch selten: “Over-the-Top-Player nutzen mit ihren Messaging und Voice-Services eine Infrastruktur, in die sie nicht investieren – zu Lasten der Mobilfunkunternehmen und deren Kunden.“ So ein Zitat in der Aussendung zum neuen Tarifangebot. Die neuen Tarifpakete kosten zwischen 40 und 70 Euro pro Monat (ich habe mir erlaubt die marketingtechnische Zehn-Cent-Abrundung wegzulassen). Das alles gilt für Datenvolumen von einem bis fünf GB; wer die neue Datenübertragungstechnologie LTE nutzen will, zahlt nochmals zehn Euro extra. Dafür sind Telefonieren und SMS-schreiben "unlimitiert". Aufpassen heißt es indes beim Datenvolumen: Ist das erreicht, wird nicht auf niedrigere Übertragungsgeschwindigkeiten gedrosselt, sondern es wird das Internet kurzerhand gesperrt.

Wie bitte? 40 bis 80 Euro pro Monat? Das sind ja in zwei Jahren (24 Monate Bindung) – ach, lassen wir das lieber. Und fünf GB Datenvolumen im teuersten Tarif? Mit LTE? Da wird man nicht weit springen. Und danach wird der Saft einfach abgedreht? Aus, basta?

Plötzlich dreht sich alles um mich und ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit der guten, alten Post, als man für die Frechheit, auch das Internet daheim haben zu wollen, exorbitante Preise und außerordentliche Mühen (Telefonat mit Post-„Experten“ über imaginäre „Hotlines“, wochenlange Suche nach freien Terminen, Bedienungsanleitungen in unbekannter Sprache, unverschämte Preise ohne nennenswerte Gegenleistung) auf sich zu nehmen hatte. Wie gut erinnere ich mich an meinen Versuch, passende Kabel für den Anschluss des Computers an dieses seltsame Internetz beim Postbediensteten meines Urvertrauens aufzutreiben.

Zurück in die Gegenwart. Fest steht: Die neuen A1-Tarife sind wirklich sehr weit weg von den „Over-the-Top-Playern“, die eine „Infrastruktur nutzen, in die sie nicht investieren“ (es gibt da zum Beispiel einen gewissen „Bob“, der solche günstigen Tarife anbiete). Für die neuen A1-Tarife gibt es, blickt man auf die direkte Konkurrenz, eigentlich nur drei Erklärungen: Mutig, kurzsichtig oder vorausschauend.

Mutig wäre es, wenn A1 von seiner Qualität und seinen Services dermaßen überzeugt wäre, dass man den Preiskampf nicht mehr mitmachen will und daher stolz auf solche Tarife besteht.

Kurzsichtig wäre es, wenn A1 jetzt halt trotzig und ohne viel zu überlegen an der Tarifsschraube dreht, um seine hohen Kosten reinzubringen. Ich nehme nicht an, dass das der Fall ist – das ließe sich nicht lange durchhalten, weil die Konkurrenz da mit Breitbandgeschwindigkeit drüberfährt.

Bleibt Grund Nummer drei: Vorausschauend. Ahnt A1 etwa, dass die drei großen Mobilfunker den mörderischen Wettbewerb nicht aufrecht erhalten können und tut nun den ersten Schritt? Natürlich soll hier nicht unterstellt werden, es käme zu Preisabsprachen. Aber betonen die Mobilfunker nicht ständig, wie mörderisch das alles sei und wie sehr die Frequenzauktion im Herbst an ihren Nerven und ihren Kosten zehre? Hat nicht T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth schon Ende des Vorjahres ein Ende der „All-Inclusive“-Tarife und ein Ende der Subventionen für Smartphones angekündigt? Müssen nicht die Kosten für den LTE-Ausbau irgendwo eingebracht werden?

Mir schwant Böses – nicht für die Mobilfunkbranche insgesamt, denn die wird angesichts des technologischen Fortschritts, der für unser Leben und unsere Arbeit unverzichtbar geworden ist, weiter blühen. Mir schwant Böses für die österreichischen Kunden, die bisher vom Wettbewerb profitiert haben. Gibt es bald Zustände wie an der Tankstelle mit Preisstrukturen, die kein Mensch nachvollziehen kann und wo sich die Anbieter immer auf irgendwas herausreden (Staat, Wetter, Terroranschläge etc.)? Und das mitten in einem Technologieschub namens LTE?

Bisher wurden die Mobilfunker nicht müde zu betonen, wie mörderisch der ganze Wettbewerb doch sei, wie wahnwitzig die Preise, wie unverschämt die Kunden. Gut, bei genauer Kalkulation waren die Preise gar nicht so wahnwitzig – zumindest nicht für die Anbieter (siehe iPhone- oder iPad-Tarife auf zwei Jahre hochgerechnet). Aber zumindest schien der Wettbewerb hart und transparent.

Mal sehen, ob das nun anders wird.

Robert Prazak

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