Martin Kwaukas Geldtipp:
Zwei Hedgefonds, die der Finanzkrise trotzen

Die elitäre Zunft der Hedgefonds­manager erlebt heuer ein wahres Waterloo. Die angeblich krisenfesten Fonds stürzten serienweise ab, viele mussten ihre Bestände in Notverkäufen abstoßen, weil ihnen die Banken die Kreditlinien strichen. Trotzdem gibt es einige wenige Lichtblicke.

Hohe Brücke, breite Streuung
Ein Fonds, der sich besonders zur Beimischung in ein breit gestreutes Depot eignet, ist der JPMorgan Highbridge Statistical Market Neutral Fund (ISIN LU0273792142). Die großen Börsenschwankungen sind Futter für das ähnlich einem Hedgefonds konzipierte Depot. Bei den Käufen und Verkäufen des Fonds, der auf Jahressicht um 10,4 Prozent im Plus liegt (siehe Grafik ), spielt Geschwindigkeit eine Hauptrolle. Die Zusammensetzung des Portfolio wird alle fünf Minuten kontrolliert und im Bedarfsfall angepasst. Mittels eines Computerprogramms werden voneinander abweichende Preisfeststellungen an mehreren Börsen ausgenutzt, insgesamt kommen 1.500 Aktien für ein Investment infrage.

Sekundenschnelles Warnsystem
Zusätzlich hat der Alternative-Investments-Spezialist Highbridge Asset Management ein Programm entwickelt, mit dem Unternehmensnachrichten im Sekundentakt auf Stichworte wie „Betrug“, „Warnung“ oder „Übernahme“ systematisch überprüft werden. Solche Nachrichten lösen umgehend Handelssignale aus. Zusätzlich wird schnell reagiert, wenn das System Bewertungsunterschiede vergleichbarer Unternehmen aufspürt oder wenn sich bei den Fundamentaldaten der Börsenkonzerne Auffälligkeiten, etwa beim Cashflow, zeigen. Der Einstieg in den Fonds, der steuerlich blütenweiß ist, ist bei den meisten Banken grundsätzlich ab einem Anteil (derzeitiger Kurs rund 112 Euro je Anteil) möglich.

Österreichische Heraldik
Beim von der Wiener Bank Medici gemanagten Herald (Lux) US Absolute Return (Euro-Klasse) mit der ISIN LU0350637061 ist zwar die Einstiegshürde mit 50.000 Euro beträchtlich höher, die Entwicklung verläuft aber bisher ebenfalls krisenfest (siehe Grafik ). Seit dem Start Ende März 2008 liegt der Fonds um 4,5 Prozent im Plus, selbst der Crash-­Monat Oktober verging mit einem Minus von 0,52 Prozent unspektakulär. Ein nach gleichem Muster anlegender Fonds, der seit Mai 2001 auf den Cayman-Islands domiziliert ist, hat bisher noch kein negatives Jahr erlebt und erzielte zwischen 5,3 und 9,3 Prozent Jahresrendite.

Erfolgsgeheimnis: Put-Optionen
Die Bank Medici hat übrigens nichts mit dem einst mächtigen Florentiner Clan zu tun, sondern ist eine Bank, die zu 75 Prozent der Familie Kohn und zu 25 Prozent der Bank Austria gehört und den frei verfügbaren Traditionsnamen angenommen hat. Fondsmanager Andreas Schindler investiert währungsge­sichert und ohne Hebel in rund 50 bis 60 Aktien des US-Blue-Chip-Index S&P 100, die sich relativ nah am Index bewegen. Das eigentliche Erfolgsgeheimnis ist eine Derivatstrategie, bei der ­Put­-­Optionen gekauft werden und auf der Gegenseite Geld durch den Verkauf von Call-Optionen eingenommen wird. Außerdem wird nur in halbwegs vielversprechenden Marktphasen investiert, das sind in der Regel sechs von zwölf Monaten im Jahr. Vom 16. September bis 2. November 2008 ging Schindler zum Beispiel in Staatsanleihen auf Nummer sicher.

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