Martin Kwaukas Geldtipp der Woche:
Zukunftsvorsorge – Garantiert ertragsarm

Die Wiener Börse feierte in den vergangenen Wochen ein spektaku­läres Comeback. Seit dem Tiefststand des ATX-Index vom 9. März legte die Börse bereits wieder 45 Prozent zu. ­Davon müssten auch über eine Million Kunden der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge profitieren. Schließlich müssen ja laut Gesetz mindestens 40 Prozent des Vermögens in (großteils Wiener) Aktien investiert sein. Durch­gerechnet könnten also die Produkte in den vergangenen zwei Monaten um rund 18 Prozent gestiegen sein.

Aktienhausse völlig verpasst
Trotzdem ist der Großteil der Kunden fast leer ausgegangen. Die Anbieter der Zukunftsvorsorge waren nämlich aus Angst vor neuerlichen Kursverlusten nur minimal in Aktien investiert, ja mitunter nur mit ein bis drei Prozent! Es ist nämlich erlaubt, die 40-prozentige Aktienquote durch entsprechende Futures-Kontrakte so abzusichern, dass de facto die Ak­tienquote neutralisiert wird. Das ist in Phasen eines Börsencrashs durchaus sinnvoll. Wenn die Absicherung aber trotz wochenlangen Aktienbooms beibehalten wird, werden sämtliche Chancen verpasst. Das zeigt sich ganz deutlich in der April-Bilanz der Zukunftsvorsorge-Fonds. Im Schnitt erreichten die 19 Produkte einen Durchschnittsertrag von gerade einmal 0,4 Prozent. Zum Vergleich: Der ATX ist allein im vergangenen Monat um zehn Prozent gestiegen. Bei 40 Prozent Aktien wären also im April durchgerechnet rund vier Prozent allein aus der Börsenquote möglich gewesen (plus die Erträge aus dem ­Anleihenteil der Zukunftsvorsorge).

Manager sind mutlos
Die Fondsmanager handeln momentan wie eine auf den Rücken gefallene Schildkröte, die sich nicht mehr traut, den Kopf aus dem Sicherheitspanzer zu strecken. Dass die Vermögensverwalter den Aufschwung fast komplett verschlafen haben, ist nicht allein ihre Schuld, sondern liegt auch an der Konstruktion der Produkte. Die Zukunftsvorsorge ist am Ende der Laufzeit mit einer Kapitalgarantie aus­gestattet. Und die Garantiegeber, meist Banken, haben in der Finanzkrise kalte Füße bekommen und verlangen jetzt von den Zukunftsvorsorge-Anbietern, die Ak­tienquote am Minimum zu belassen. So bleibt das Risiko minimal, dass der Garantiegeber irgendwann einmal für die Garantie zahlen muss (was aber die Anbieter nicht daran hindert, trotzdem den Kunden Kosten für die Garantie in Rechnung zu stellen). Das ist nicht nur eine Täuschung der Kunden, sondern stellt die ganze Idee der Zukunftsvorsorge infrage. Schließlich handelt es sich um eine langfristige Altersvorsorge, bei der nicht ohne Grund eine gewisse Aktienquote sinnvoll ist. Das wird auch vom Staat mit einer Prämie honoriert.

Selbst handeln
Jetzt stellt sich die Frage, wann die Aktienquote überhaupt wieder auf das vorgegebene Ausmaß erhöht wird – womöglich erst, wenn der ATX sich verdoppelt oder gar verdreifacht hat? Es macht keinen Sinn, die Zukunftsvorsorge jetzt aus Verärgerung zu stornieren, weil das mit hohen Verlusten verbunden wäre. Die bessere Lösung ist, sich zusätzlich einen normalen Wien-Aktienfonds, entweder als Einmalkauf oder via Sparplan, zu kaufen, um in den nächsten Jahren von der weiteren Erholung der Wiener Börse zu profitieren.

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