Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Spesenfrei & sicher bei Vater Staat anlegen

Der Begriff Bundesanleihe ist für die meis­ten Anleger ein unbekanntes Fremdwort, so das Ergebnis einer aktuellen GfK-Umfrage. Jetzt will Vater Staat eine Aufklärungsaktion starten, um seine Papiere populärer zu machen.

Der Zeitpunkt für die Kampagne ist naheliegend. Bisher wurden österreichische Staatsanleihen fast nur von ausländischen ­Investoren gekauft. Diese halten sich aber seit der Finanzkrise auffallend zurück, weil wir als Nachbarstaat von Osteuropa kritisch beäugt werden. Die Folge: Lag die Verzinsung von deutschen und österreichischen Bundesanleihen lange Jahre fast gleichauf, muss der heimische Finanzminister derzeit 0,9 Prozentpunkte mehr für zehnjährige Anleihen bieten als sein Berliner Amtskollege. Da ­österreichische Anleger wohl kaum glauben, dass die Gefahr einer hiesigen Staatspleite größer ist als beim nördlichen Nachbarn, ist der Extrazins durchaus attraktiv. Schließlich ist Österreich gemeinsam mit der Bundes­republik einer der wenigen verbliebenen AAA-Schuldner der Welt. Das Geld ist damit auch sicherer angelegt als bei einer Bank.

Ladenhüter

Trotzdem blieben Staatsanleihen bisher ein Ladenhüter. Zu mächtig sind die Banken, die das Geschäft mit dem Geld der Sparer lieber selbst machen. Und wenn die Kunden unbedingt Anleihen haben wollten, dann wurden ihnen hauseigene Fonds empfohlen.

Haken:

Trotz der mageren Zinsen sind die Manage­mentgebühren der Fonds immer noch so hoch wie in der Hochzinsphase. Typischerweise müssen Kleinanleger mit 0,6 bis 1 Prozent pro Jahr für das Management rechnen, außerdem verlangt die Bank beim Einstieg rund 3 Prozent Ankaufspesen sowie eine jährliche Depotgebühr von 0,12 bis 0,24 Prozent. Bei Euro-Staatsanleihen bleiben so mehr als ein Drittel der Zinsen bei den Banken hängen. Der direkte Ankauf von Anleihen auf das eigene Bankdepot ist günstiger, verschlingt aber zum Beispiel bei der Erste Bank sowohl beim Ankauf als auch beim Verkauf mindestens 36 Euro, dazu kommen ebenfalls jähr­liche Depotgebühren.

Depot bei der Repu­blik
 
Völlig spesenfrei ist die Veranlagung unter www. bundesschatz.at. Dort gibt es derzeit für eine zehnjährige Bindung 3,47 Prozent Zinsen. Das ist natürlich nicht gerade aufregend, aber dafür ist das Geld wirklich 100 Prozent sicher. Übrigens können österreichische Anleger auch direkt beim deutschen Staat spesenfrei sparen. Unter www.deutsche-finanzagentur.de findet man die aktuellen Konditionen und die Formulare, um das Gratisdepot zu eröffnen. Haken: Man muss die eigene Unterschrift bei der deutschen Botschaft oder einem deutschen Konsulat beglaubigen lassen. Ist man in Deutschland, kann auch jede dortige Bank die Beglaubigung vornehmen.

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