Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Sell in May – Kommt jetzt die Zeit zum Verkaufen?

Eine der bekanntesten Börsenregeln lautet: „Sell in May and go away.“ Nachsatz: „And always remember: Come back in September.“ Tatsächlich sagen langjährige Statistiken, dass Ak­tien zwischen Mai und September öfter eine Schwächephase erleiden. Dieje­nigen Anleger, die nur in den übrigen Monaten des Jahres investiert sind, ­erzielen in der Regel bessere Erträge als Ganzjahres-Aktionäre. Allerdings berücksichtigen diese Studien weder die zusätzlichen An- und Verkaufsspesen noch die österreichische Rechtslage, die kurzfristige Profite voll besteuert, während der Gewinn nach 12 Monaten Behaltefrist steuerfrei bleibt. Außerdem ist die Erfolgsbilanz der Kasse-machen-im-Mai-Strategie höchst unterschiedlich. Laut einer aktuellen Unter­suchung der Fondsgesellschaft ­Fidelity über die jahreszeitliche Entwicklung des deutschen DAX-Index hätte sich in neun von 15 Jahren das Rein-raus-Verfahren ausgezahlt. Sechsmal lieferte die DauerhaItung das höhere Ergebnis. In der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite im Oktober 2008 wäre sogar ganz eindeutig das umge­kehrte Verfahren besser gewesen, nämlich im September auszusteigen und erst im Mai 2009 wieder dabei zu sein.

Zeit für den Frühjahrsputz?  
Schon aus praktischen Gründen ist es nicht empfehlenswert, den gesamten Depotbestand im Mai zu verkaufen. Außerdem sind die mittelfristigen Aussichten für Aktien durchaus intakt, da die Unternehmensgewinne noch weitersteigen, möglicherweise sogar bis ins Jahr 2013. Trotzdem gilt noch immer die ebenfalls bekannte Börsenregel, dass noch kein Anleger pleitegegangen ist, der Gewinne mitgenommen hat. Deswegen macht es durchaus Sinn, jetzt im Depot einen Frühjahrsputz vorzunehmen. Sind die Wertpapiere, die Sie derzeit besitzen, auch diejenigen, die Sie jetzt noch neu kaufen würden? Und sind Ihre Fonds alle besonders gut oder zumindest besser als der Durchschnitt vergleichbarer Produkte?

Genau ins Visier nehmen
Wenn Sie diese beiden Fragen un­eingeschränkt mit ja beantworten können, besteht kein Handlungsbedarf. Falls nicht, sollte man die einzelnen ­Bestandteile genau unter die Lupe ­nehmen. Bei Fonds können Sie zum Beispiel über die Onlineseite www.morningstar.at Ihre Produkte mit den Mitbewerbern vergleichen. Wenn Ihre ­Titel über längere Zeit deutliche Schwächen zeigen, ist es Zeit für einen Wechsel. Dabei kann man mit dem Neueinstieg durchaus bis zum Herbst warten.
Als Faustregel gilt, dass man im Sommer nicht unbedingt mit Vollgas
an den Börsen unterwegs sein sollte. Das gilt umso mehr, als viele Aktien in den vergangenen 12 Monaten hoch zweistellige, manchmal sogar dreistellige Gewinne eingefahren haben. Wer jetzt die Bargeldquote erhöht, hat genügend finanziellen Spielraum, um in einer Schwächephase wieder aufzustocken.

Depotauszug holen
Das gilt auch für diejenigen, die den Kredit für ihre eigenen vier Wände über einen Tilgungsträger ansparen. Lassen Sie sich jetzt einen aktuellen Depotauszug geben. Vermutlich sieht das Ergebnis wesentlich erfreulicher aus als noch vor ein paar Monaten. Das sollte Sie aber nicht davon abhalten, sich die einzelnen Positionen kritisch anzuschauen. Wer die Möglichkeit hat, die Fonds zu wechseln, kann außerdem überlegen, einen Teil auf Nummer sicher zwischenzuparken. Vielleicht gilt ja heuer wieder: Sell in May …

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten