Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Seit
1999 Seriensieger im Fonds-Marathon

Wenn ein Fonds ein Jahr im Spitzenfeld landet, ist das oft reines Glück. Erst der Dauertest über mehrere Jahre entscheidet, welcher Manager sein Handwerk wirklich versteht. Fast jeder Profi wird auch mal am falschen Fuß erwischt. So gibt es praktisch keinen Top-Fonds, der nicht phasenweise hinter der Konkurrenz zurückbleibt. So gesehen ist Tom Dobell, Manager des England-Aktienfonds M&G Recovery (GB0032139684), eine absolute Ausnahmeerscheinung. Sein Fonds liegt tatsächlich über die Perioden von einem, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun und zehn Jahren unter den besten zehn Prozent aller britischen Aktienfonds. Wer vor zehn Jahren 10.000 Euro in den Fonds investierte, besitzt heute 13.684 Euro. Die Konkurrenz liegt mit durchschnittlich 9.094 Euro im negativen Bereich.

Ladenhüter mit Erholungspotenzial. Fondsmanager Dobell verdankt diesen Erfolg einer ganz eigenen Strategie: Er kauft Aktien von Unternehmen gerade dann, wenn sie mitten in der Krise stecken und die Investoren in Scharen das Weite suchen. Voraussetzung ist natürlich, dass das Unternehmen aus den Fehlern gelernt hat und bereits die richtigen Weichen in Richtung Zukunft gestellt hat. Dobell wartet dann in Ruhe drei bis fünf Jahre ab, bis sich die Resultate so weit verbessern, dass auch die anderen Anleger die Aktie wiederentdecken, und macht dann Kasse.

Die wichtigsten Ertragsbringer sind eher unbekannte Aktien aus der zweiten Reihe, etwa die Rohstoffwerte African Minerals oder First Quantum Minerals. Dazu mischt Dobell Blue Chips wie die Bank HSBC oder die Ölkonzerne Tullow, Shell oder BP, damit der inzwischen 4,7 Milliarden Euro schwere Fonds jederzeit liquid bleibt. Das Rezept hat sich auch heuer bewährt: Seit Jahresanfang hat der Fonds 42 Prozent zugelegt, obwohl die Finanzkrise in Großbritannien besonders hart zugeschlagen hat.

Die Spätfolgen der Krise dürften die Briten noch länger beschäftigen. Trotzdem ist der Fonds interessant: erstens durch seine spektakulären Zusatzerträge und zweitens durch die Besonderheiten der britischen Börse. In kaum einem Land sind die Unternehmen so global ausgerichtet wie in der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien. Laut einer aktuellen Studie von Morgan Stanley werden im Schnitt nur 35 Prozent der Gewinne im Inland erzielt, aber bereits 22 Prozent in Schwellenländern. Außerdem notieren an der Londoner Börse ausgesprochen viele Rohstofftitel, aber dafür sehr wenige konjunkturabhängige zyklische Aktien. Dazu ist die Bewertung britischer Aktien im Vergleich zum globalen Aktienschnitt so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Schließlich spricht auch das niedrige britische Pfund für steigende Gewinne aus Übersee. Fazit: Britische Aktien sind einen Blick wert – vor allem, wenn sie im M&G Recovery stecken.

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