Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Rote Reichshälfte einig gegen die Wahlfreiheit

Wie in FORMAT in den vergangenen Wochen mehrfach zu lesen war, kämpft die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge mit heftigen Problemen: Die gesetzlich vorgeschriebene Aktienquote von mindestens 40 Prozent hat bei einigen der angebotenen Zukunftsvorsorge-Polizzen und -Fonds deutliche Verluste verursacht.

Um nicht womöglich am Ende für die abgegebene Kapitalgarantie zahlen zu müssen, haben die Anbieter die Aktienquote durch Kursabsicherungsgeschäfte mehr oder weniger eliminiert. Es gibt sogar Produkte, bei denen die effektive Aktienquote bis zum Ende der Laufzeit praktisch auf null gesenkt wurde. Für die betroffenen Kunden heißt das im Extremfall am Schluss: Außer Spesen nichts gewesen. Das Sicherheitsnetz hält zwar, nur die erhofften Gewinne bleiben aus, nicht einmal die Inflation wird ausgeglichen.

Einseitiger Protest
Eigentlich hätten Arbeiterkammer und Konsumentenschützer aufschreien müssen, dass ein Massenprodukt mit 1,4 Millionen Kunden gegen die Wand gefahren wurde und jetzt nur noch mit angezogener Handbremse im ersten Gang unterwegs ist. Doch die Proteste, dass Kunden ohne jede Verzinsung für das Alter ansparen werden, blieben völlig aus. Stattdessen gab es jetzt von AK, ÖGB und SPÖ unisono einen lautstarken Widerstand gegen etwas ganz anderes: nämlich gegen die Pläne des Finanzministeriums, den Kunden der Zukunftsvorsorge künftig ein individuelles Wahlrecht einzuräumen, ob sie weiterhin mit Kapitalgarantie vorsorgen oder ob sie auf das teure Sicherheitsnetz verzichten wollen. Dabei wäre ein Verzicht auf die Kapitalgarantie bei einem derart langfristig angelegten Vorsorgeprodukt ausgesprochen sinnvoll.

Teure Sicherheit
Zwar klingt die Kapitalgarantie gut, aber sie ist extrem teuer. Pro Jahr kassieren die Garantiegeber, meistens Banken, ein Prozent und mehr. Wer also einen Vertrag auf 30 Jahre abgeschlossen hat, zahlt im Laufe der Zeit gut 30 Prozent Garantiekosten. Außerdem führt die Kapitalgarantie in vielen Fällen zu der bereits erwähnten unerwünschten Nebenwirkung, dass die Renditechancen eliminiert werden. Die potenziellen Verluste werden dagegen bei weitem überschätzt: Durch die regelmäßigen monatlichen Einzahlungen wird das Auf und Ab der Börsen geglättet. Dazu das Beispiel des Zukunftsvorsorgefonds Austro Garant der Volksbanken, der als eines von wenigen Produkten noch mit einem ordentlichen Aktienanteil unterwegs ist. Wer in den Austro Garant in den vergangenen 24 Monaten jeweils 100 Euro, also insgesamt 2.400 Euro einzahlte, besaß Ende September 2.334 Euro. Der Verlust betrug also in einer der schlimmsten Börsenkrisen ganze 64 Euro (und das noch ohne Prämie gerechnet). Der Kursverlauf hatte zwar Knicke, verlief aber doch ziemlich stetig (siehe Chart ) . Trotzdem kämpfen AK, ÖGB und SPÖ wacker für die teure Kapitalgarantie. Und wollen die Wahlfreiheit ihrer Mitglieder mit allen Mitteln bekämpfen.

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