Martin Kwaukas Geldtipp der Woche:
Rezepte für einen volatilen Börsenherbst

Sie haben die spektakulären Kurs­gewinne der vergangenen Monate komplett verpasst, werden langsam nervös und fragen sich, ob man nicht doch noch einsteigen soll. Schwacher Trost: Vielen Großinvestoren geht es genauso. Das ist auch eines der wichtigsten Argumente für einen weiteren Anstieg. Versetzen Sie sich einmal in die Lage eines professionellen Anlegers, der im Vorjahr das Geld seines Arbeitgebers durch eine zu hohe Aktienquote versenkte und jetzt übervorsichtig die jüngste Rallye völlig verschlafen hat. Während seine Kollegen langsam, aber sicher an seinem Sessel sägen, versucht er zu retten, was zu retten ist und ordert Aktien – spät, aber doch.

Rückschläge immer möglich
Kommen Sie ihm zuvor und trennen Sie sich von Ihren Zweifeln. Aber übertreiben Sie es nicht. Angesichts der hohen Kursgewinne sind natürlich jederzeit Rückschläge möglich. Das ist allerdings eine Binsenweisheit. Es gibt nämlich keine Börsenphase, in der ein kräftiger Kursrutsch ausgeschlossen werden kann. Deshalb sollte man eine kräftige Aufstockung der persönlichen Aktienquote immer nur in Etappen vornehmen. Schließlich ist es ärgerlich, wenn Aktien kurz nach einem Kaufauftrag deutlich billiger zu haben sind. Die Aussicht, dass sich dieses Malheur schon in ein paar Jahren relativiert hat, wird Sie kurzfristig kaum überzeugen. Die Lösung: Ordern Sie auf Raten. Entweder langfristig über einen Fondssparplan mit regelmäßigen monatlichen Einzahlungen. Je nach Bank ist das schon ab 30 Euro im Monat möglich. Oder verteilen Sie Ihr Budget wenigstens auf ein paar Monate. Wer jetzt 5.000 Euro in fünf monatliche Tranchen von 1.000 Euro splittet, könnte bei einem etwaigen Crash im September ziemlich gelassen bleiben. Schließlich bekäme man dann schon im Oktober deutlich mehr fürs Geld.

Einseitiger Aufschwung
Das Beispiel September ist nicht ganz willkürlich gewählt. Tatsächlich ist der letzte Monat des Sommers traditionell anfällig für Kurskorrekturen. In einer Analyse von 38 Börsenjahren durch die Landesbank Berlin erwies sich der September mit einem durchschnittlichen Minus von 2,6 Prozent beim deutschen Dax-Index als programmierte Schwächephase. Auch beim US-Pendant Dow Jones fällt die Bilanz eindeutig negativ aus (siehe Grafik ) . Natürlich sagen solche Rü­ckblicke nur sehr wenig über die Börsenentwicklung eines einzelnen Jahres aus. Trotzdem sollten diejenigen, die beim Börsenaufschwung seit März 2009 voll dabei waren, vorsorglich einen Teil der Gewinne mitnehmen. Schließlich muss man nicht unbedingt mit Vollgas in eine Kurve gehen. Entweder Sie warten mit einem gefüllten Konto auf künftige Gelegenheiten. Oder schichten Sie jetzt in konservative Branchen um, die zuletzt zurückgeblieben sind wie etwa Ölaktien oder Versorger. Der Börsenaufschwung war nämlich ziemlich einseitig. Er betraf vor allem Finanztitel, Rohstoff- und Stahl­titel und Immobilien. Es sind also vor allem die Branchen extrem gestiegen, die vorher völlig unter die Räder gekommen sind. Früher oder später werden auch die anderen Aktien nachziehen.

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