Martin Kwaukas Geldtipp der Woche –
Polizzen am Prüfstand: Wenig ist wirklich fix

Zwischen Prognose und Wirklichkeit klafft oft eine ordentliche Lücke. Das gilt nicht zuletzt für Lebensversicherungen. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Konsument“ wird anhand konkreter Beispiele analysiert, wie hoch das Minus gegenüber den ursprünglichen Zielwerten ausfallen kann. Zwei Polizzen blieben mit einem Abschlag von einem beziehungsweise vier Prozent ihren Versprechungen noch weitgehend treu. In der Regel fielen Verluste von gut zehn Prozent an. Im Extremfall bekam ein Kunde, der 1991 eine Polizze abgeschlossen hatte, sage und schreibe 51,7 Prozent weniger als prognostiziert.

2,25 Prozent – vor Kosten
Die Versicherungen weisen allerdings selbst darauf hin, dass nur ein Teil der jährlichen Gewinne fix garantiert ist. Bei neuen Verträgen sind es meist 2,25 Prozent pro Jahr, der Rest ist die unverbindliche Gewinnbeteiligung. Auch diese 2,25 Prozent müssen relativiert werden. Der Wert bezieht sich nur auf den Sparanteil der Prämie nach Abzug von Steuern, Spesen und Kosten für den Ablebensschutz. Netto erreicht die Verzinsung laut den Konsumentenschützern im Schnitt nur 0,3 Prozent – zwar nach Steuern, aber vor Inflation. Zwar muss man dabei einkalkulieren, dass der Ablebensschutz im Fall des Falles sehr wertvoll sein kann. Trotzdem bleibt die Rendite so mager, dass klassische Lebensversicherungen nur für ausgesprochen konservative Menschen halbwegs sinnvoll sind, die außerdem die gesamte Laufzeit bis zum letzten Tag einhalten. Sollte die Polizze nämlich vorzeitig gekündigt werden, ist eine Lebensversicherung ein sicheres Verlustgeschäft.

Tipp: Spezialversicherung
Deshalb ist es günstiger, sich den Risiko-Ablebensschutz über eine eigene Spezialversicherung zu verschaffen. Es gibt dafür über Versicherungsmakler sehr günstige Anbieter. Für das Ansparen des Vorsorgekapitals gibt es bessere Lösungen, zum Beispiel fondsgebundene Polizzen oder die Fondssparpläne der Banken. Bis diese Produkte in zehn, 20 oder 30 Jahren auslaufen, ist die derzeitige Börsenkrise längst Geschichte, und die Erträge liegen mit ziemlicher Sicherheit weit über denen einer klassischen Er- und Ablebensversicherung. Tipp: Schauen Sie bei einem neuen Versicherungsoffert auf den Zeitpunkt, an dem das prognostizierte Guthaben den Wert der eingezahlten Prämien übersteigt – es kann über ein Jahrzehnt dauern. Und falls die Inflation wieder deutlich anspringt, wird die Kaufkraft der Auszahlung vermutlich den Wert der eingezahlten Prämien nie mehr erreichen.

Guthaben mit Prognose vergleichen
Wer jetzt schon eine laufende Lebensversicherung besitzt, sollte sich erkundigen, wie weit das aktuell erreichte Guthaben unter dem ursprünglichen Prognosewert liegt. So bekommt man wenigstens eine klare Kalkulationsgrundlage. Allerdings sollte man sich selbst bei tiefen Werten nicht dazu verleiten lassen, die alte Polizze vorzeitig zu kündigen und eine neue abzuschließen, wie dies einige schwarze Schafe unter den Versicherungsvermittlern empfehlen. Dann sind die Verluste endgültig realisiert, und beim neuen Vertrag fallen wieder Provisionen an, die meist eine Jahresprämie übersteigen. Besser ist es, die laufende Polizze weiter bis zum Schluss zu bedienen und gegebenenfalls einen Fondssparplan abzuschließen, mit dem man das fehlende Kapital zusätzlich aufbaut. Angesichts der tiefen Börsenkurse steigt man momentan so günstig ein, dass gute Chancen bestehen, das Manko in der Lebensversicherung schon bald wieder aufzuholen.

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