Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Minimale Spesen und Gewinne mit Indexfonds

Bekanntlich schaffen es nur die besten Fondsmanager, auf Dauer besser als ihr Vergleichsindex abzuschneiden. Das liegt weniger am mangelnden Können als an den hohen laufenden Kosten, die Fondsgesellschaften verrechnen. Bei Aktienfonds müssen viele Manager erst einmal zwei Prozent und mehr im Jahr verdienen, nur damit die Spesen für Verwaltung, Fondsprüfung und Ähnliches gedeckt sind – sie starten also mit erheblichem Gegenwind. Wesentlich einfacher haben es Fonds, die sich gar nicht die Mühe machen, aufwendig nach vielversprechenden Aktien zu suchen, sondern von vornherein einen Aktienindex eins zu eins kopieren. Weil das Verwalten eines Indexfonds praktisch keine Arbeit macht, werden wesentlich geringere Spesen verrechnet. Deshalb stehen diese auch Exchange Traded Funds (ETF) genannten Produkte in der Regel in den Ertragsrankings weit oben. Das gilt ganz besonders für ETF auf international gängige Blue-Chip-Indizes wie DAX oder S&P 500.

ETFs haben die Nase vorne
Im Ausland sind diese Produkte deshalb seit Jahren auf der Überholspur. Der weltweit größte Anbieter, iShares, verwaltet bereits mehr als 1.000 Milliarden Dollar, davon den Großteil in den USA. In Deutschland sind ETF die einzige Fondskategorie mit starkem Wachstum. Österreich hinkt noch hinterher, einzig die Erste Bank hat mit dem Espa Stock NTX (ISIN: AT0000A00EH2) ein Produkt auf den Mitteleuropa-Index NTX im Angebot. 0,15 Prozent Jahreskosten für DAX-Fonds.  Die Zurückhaltung der Banken ist aus ihrer Sicht verständlich: Bei einem ETF auf einen gängigen Index zahlen Kunden weniger als ein Zehntel dessen, was ihnen bei aktiv gemanagten Fonds jährlich abgezogen wird. So berechnet der ETFlab DAX (ISIN ­DE000ETFL011), der die Entwicklung der wichtigsten 30 deutschen Aktien widerspiegelt, im Jahr bloß 0,15 Prozent All-inclusive-Gebühren. ETFlab ist eine Tochter der Deka, der Fondsgesellschaft der deutschen Sparkassen (Infos unter www.etflabde). Neben dem DAX-Produkt gibt es neun weitere Aktien-ETF, darunter auf den MSCI Europe und den MSCI USA. Außerdem hat ETFlab Produkte auf 12 Anleihen-Indizes begeben, mit denen sich bestimmte Laufzeitsegmente punktgenau abbilden lassen. Alle Fonds sind in Österreich „blütenweiߓ, sie werden also gleich wie ein Inlandsfonds besteuert. Der Kauf der ETF erfolgt direkt über die Börse, zum Beispiel das Frankfurter Xetra-System oder die Börse Stuttgart, wo neben Papieren von iShares oder ETFlab auch Papiere von großen Anbietern wie Lyxor oder db x-trackers laufend gehandelt werden. An der Wiener Börse ist neben dem Espa-Fonds nur ein kleines Angebot von ABN Amro, Lyxor und iShares gelistet (siehe www.wienerborse.at/etf ).

Immer zum aktuellen Kurs
Bei einer ETF-Order via Börse zahlen Kunden keinen einmaligen Ausgabeaufschlag wie bei klassischen Fonds, sondern die normalen Spesen für den Aktienkauf beziehungsweise -verkauf, außerdem besteht oft eine Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Der ETF-Kauf lohnt sich vor allem für Kunden einer Onlinebank, weil dort die Börsenspesen deutlich niedriger sind. Weiterer Vorteil der ETF ist die Transparenz: Man kauft und verkauft zur aktuellen Börsennotierung und nicht, wie bei klassischen Produkten, zum Kurs des nächsten oder gar übernächsten Tages. Fazit: Mit einem ETF sind Kunden nicht nur bei den jährlichen Managementgebühren, sondern meist auch bei den Kaufspesen deutlich günstiger unterwegs als mit herkömmlichen Fonds.

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