Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Liegt all Ihr Geld in der Unionswährung?

Die Euro-Staaten setzen alles auf eine Karte: Mit dem unglaublichen Betrag von 750 Milliarden Euro sollen die maroden Mitglieder der Währungsunion stabilisiert werden. Letztlich wird damit nur versucht, Zeit zu schinden, damit die Sorgenkinder der Eurozone ihre Budgetdefizite in den Griff bekommen. Im besten Fall werden die Milliarden nur teilweise abgerufen und alle Kredite samt Zinsen zurückgezahlt. Aber was ist, wenn das Geld doch nicht reicht? Im schlimmsten Fall bleiben desaströse Verluste, die letztlich die Steuerzahler tragen müssen. Auch ein Zerbrechen der Eurozone kann dann nicht ausgeschlossen werden.

Euro gegen den Rest der Welt

Angesichts dieses Risikos ist es sinnvoll, einmal eine private Vermögensbilanz zu ziehen. Die Kern­frage lautet: Wie groß sind die Positionen im Euro im Vergleich zu den Vermögensbestandteilen, die außerhalb der Währungsunion platziert sind? Liegen all Ihre Eier im (Euro-)Korb, oder gibt es auch nennenswerte Bestandteile, die weltweit gestreut sind? In aller Regel wird sich eine extreme Konzentration auf den Euro zeigen. Das gilt insbesondere dann, wenn man mitberücksichtigt, dass auch das Gehalt, Pensionsansprüche und Lebensversicherungen in der Einheitswährung ausgezahlt werden. Das heißt nicht, dass man jetzt panikartig Euros in andere Währungen umtauschen soll. Schließlich ist der Euro immer noch die Währung, in der man auch einen Großteil der Kosten bezahlt. Aber wenigstens einen Teil des Geldes sollte man auf jeden Fall zur Sicherheit streuen. Dabei macht es allerdings wenig Sinn, sich Devisen in größeren Summen in den Tresor zu legen. Erstens kann das Geld gestohlen werden, und zweitens bringt es keinerlei Zinsen.

Magere Fremdwährungszinsen

Bei Fremdwährungskonten, die die Banken anbieten, ist die Verzinsung in der Regel auch eher mager. Außerdem sollte man berücksichtigen, dass die österreichische Einlagensicherung nicht für Dollar, Yen oder andere Währungen außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums gilt.
Sinnvoller ist es, das Geld über Fonds im Ausland zu investieren. Dabei sollte man aber auch das Chancen-Risiko-Verhältnis im Auge behalten. Wenn man einen US-Staatsanleihenfonds kauft, bekommt man nur ein paar Prozent Zinsen, kann aber bei einem Schwäche­anfall des Dollar rasch zehn Prozent oder mehr einbüßen. Bei Aktien ist das Verhältnis zwischen Ertragspotenzial und möglichen Wechselkursschwankungen deutlich günstiger. Das gilt ganz besonders für Aktien aus den aufstrebenden Märkten in Asien oder Lateinamerika.

Dollargehandelte Rohstoffe

Interessant sind auch Minenaktienfonds, da Rohstoffe meist in Dollar gehandelt werden. Das gilt vor allem für Goldfonds, den Geldtipp der Vorwoche. Das neue Allzeithoch für Gold, das in dieser Woche erreicht wurde, wird nicht das letzte sein. Dabei profitieren Goldkäufer potenziell doppelt: vom steigenden Preis der Krisenwährung Gold und von ­einem steigenden Dollar. Um­gerechnet auf Euro, könnte eine Unze Gold so schon bald über 1.000 Euro wert sein, am Mittwoch wurde bereits die Marke von 979 Euro erreicht. Angesichts der nervösen, stark schwankenden Börsen sollte der Aufbau von Positionen in Aktienfonds derzeit nur vorsichtig erfolgen.

Es gibt auch keinen Grund zur Eile, schließlich wird die Eurozone nicht über Nacht platzen. Ideal ist das Ansparen mittels Fondssparplänen. So kann man je nach Bank schon ab Beträgen von 30 oder 50 Euro im Monat starten. Dabei kommt es nicht darauf an, in welcher Währung ein Fonds notiert, sondern nur darauf, wo man investiert. So ist es letztlich ziemlich gleich, ob ein Goldfonds in Euro oder in Dollar notiert, die Erträge werden, in Euro umgerechnet, praktisch gleich hoch ausfallen.

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten