Martin Kwaukas Geldtipp der Woche – Letzte Chance für Kredite mit einem Tilgungsträger

Österreich ist Weltmeister in der Disziplin der risikoreichsten Finanzierungen. Zwar kämen die meisten Häuslbauer nie auf die Idee, auch nur einen einzigen Euro in Aktien ­anzulegen. Wenn es aber um ihren Lebenstraum von den eigenen vier Wänden geht, kann es manchen gar nicht genug Nervenkitzel geben. Da gab es – gar nicht so selten – kamikazeartige Konstruktionen aus einer variablen endfälligen Fremdwährungs­finanzierung in Tateinheit mit einer einzelnen Immobilienaktie als Tilgungs­träger. Nachdem Finanzmarktaufsicht und Nationalbank jahrelang die Hände in den Schoß gelegt haben, wird spät, aber doch, eingegriffen.

Schädigung des Standortes
Allerdings wird jetzt das Kind mit dem Bade ­ausgeschüttet. Nachdem die Banken zumindest in Österreich neue Frankenkredite gestoppt haben, will die Nationalbank auch noch die end­fälligen Darlehen komplett stoppen. Damit wird aus einer momentanen Schieflage vieler Verträge eine dauerhafte Schädigung des Wirtschaftsstandortes. Tatsache ist, dass die günstigen Frankenkredite nicht nur vielen Bau­herren geholfen haben, sondern auch der gesamten Volkswirtschaft nützen: Je niedriger das ­Zinsniveau, desto mehr Wohlstand wird neu geschaffen. Auch Tilgungsträger können die Finanzierung verbilligen, wenn sie von erfahrenen Anlegern eingesetzt werden.

Franken weiterhin möglich  
Clevere Schuldner sollten jetzt versuchen, sich nicht wehrlos mit teuren Euro-Krediten mit massiv erhöhten Zinsspannen abspeisen zu lassen, die vor allem einem Kontrahenten dienen: den Banken, die damit ihre Verluste aus der Finanzkrise ausgleichen wollen. Im Schweizer Franken sind die Konditionen deutlich günstiger – nicht nur heute, sondern de facto immer. Das Währungsrisiko ist natürlich vorhanden, aber kalkulierbar. Die Schweiz, die von Euro-Mit­gliedern umgeben ist, hat keinerlei Interesse, die ­eigene Exportwirtschaft durch einen zu hohen Frankenkurs zu ruinieren. ­Übrigens ist auch die Nationalbank nicht generell gegen jeden Franken­kredit – auch wenn das manche Bank behauptet. Die Notenbanker wollen
nur mit Recht verhindern, dass völlig un­erfahrene Kreditnehmer nur deshalb in einen Fremdwährungskredit gejagt werden, weil mancher Vermittler sich in Kombination mit den üppigen Pro­visionen für einen Tilgungsträger eine goldene Nase verdienen wollte. Fazit eins: Wenn Sie einen neuen Frankenkredit aufnehmen wollen, berufen Sie sich ruhig auf die Nationalbank, die das durchaus in begründeten Fällen erlaubt.

Tilgungsträger mit Ablaufdatum
Derzeit ordnet die Nationalbank den Banken per Brief an, alle endfälligen ­Finanzierungen zu stoppen. Fazit zwei: Selbst wenn dies wegen des generellen Missbrauchs solcher Konstruktionen verständlich ist, sollte man als erfah­rener Investor gegebenenfalls rasch handeln. Bis die Nationalbank-Order tatsächlich in die Praxis umgesetzt ist, vergehen noch ein paar Wochen oder sogar Monate. In dieser Zeit kann man noch solche Kredite aufnehmen, die bei einem entsprechenden finanziellen Spielraum auch durchaus sinnvoll sein können. Das betrifft nicht nur ­Frankenkredite. Auch im Euro gibt es endfällige Finanzierungen. Selbst Bausparkassen kennen solche Dar­lehensvarianten – allerdings wohl nicht mehr lange.

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