Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Garantieprodukte mit vagen Ertragschancen

Verkäufer sind nicht unbedingt eine zimperliche Berufsgruppe. Es gilt, die Ware an den Mann zu bringen, auch wenn dabei die wahren Bedürfnisse der Kunden völlig ignoriert werden. Als wahres Verkaufsgenie gilt noch immer derjenige, der es schaffte, einem Eskimo einen Kühlschrank anzudrehen. Auch in der Finanzbranche gilt es, Absatzziele zu erfüllen. Da eine Kapitalgarantie immer ein gutes Verkaufs­argument ist, werden Garantieprodukte auch dann auf den Markt geworfen, wenn sie keinen sinnvollen Nutzen für den Kunden stiften.

Hohe "Versicherungsprämien"
Derzeit ist es besonders schwer, sinnvolle Garantiekons­truktionen zu entwickeln. Das liegt erstens an den hohen Kursschwankungen, die die Gefahr erhöhen, dass die Garantie einmal schlagend wird. Dementsprechend hoch sind die „Versicherungsprämien“, die derjenige verlangt, der für die Garantie im Falle eines Falles zahlen müsste. Zweitens sind auch noch die Zinsen, die man für die Füllung eines Risikopolsters benötigt, ziemlich tief. Dazu eine Musterkalkulation: Wenn man als einen Baustein für Garantieprodukte eine Anleihe heranziehen kann, die in vier Jahren insgesamt 25 Prozent Zinsen abwirft, hätte man diese 25 Prozent als Risikobudget und könnte dafür zum Beispiel Aktienoptionen einkaufen. Selbst wenn die Optionen nach vier Jahren völlig wertlos auslaufen, könnte die Bank durch die Zinsen die 100-prozen­tige Kapitalgarantie problemlos erfüllen. Gibt es aber nur Anleihen mit 15 Prozent Gesamtertrag nach vier Jahren, ist es fast unmöglich, noch Garantiemodelle mit ­attraktiven Ertragschancen zu offerieren, zumal ja auch noch der Verkäufer etwas verdienen will.

Tücken im Kleingedruckten
Viele Emittenten behelfen sich derzeit damit, dass die Ertragschancen nach oben massiv begrenzt werden. Dazu ein aktuelles Beispiel der Generali Bank: Beim ErtragsGarant BRIC 2013/12 wird dem Kunden versprochen, er investiere in die Wachstumsmärkte Brasilien, Russland Indien und China. Zur Sicherheit gibt es am Ende der Laufzeit in vier Jahren auch noch eine 100-prozentige Kapital­garantie plus insgesamt acht Prozent Zinsen. Abgesehen davon, dass nach Abzug der vier Prozent Ausgabeaufschlag eigentlich nur vier Prozent Mindestzinsen bleiben, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es letztlich ­dabei bleibt. Der etwaige Zusatzertrag wird nämlich nach einer Formel er­mittelt, bei der der durchschnittliche Kursanstieg der BRIC-Börsen in den 16 Quartalen ermittelt wird. Das klingt ja noch ganz gut. Der entscheidende Haken: Die besten vier Quartale mit möglicherweise hohen zweistelligen Renditen gehen jeweils nur mit fix zwei Prozent Ertrag in die Rechnung ein. Steigt die Börse in einem Quartal um 30 Prozent, bringt das also nur zwei Prozent. Fallen die Aktien im nächsten Quartal um 20 Prozent, wird das Minus voll gerechnet und macht auch den Ertrag der weiteren drei Topquartale zunichte. Das Generali-Produkt ist nur ein Beispiel: Beliebt sind auch Konstruktionen, bei denen alle 20 Aktien gut laufen müssen, damit die volle Ertragschance gewahrt ist wie etwa der Best Garant Nachhaltigkeit der Erste Bank. Nach dem Motto, es geht immer irgendetwas schief, verdirbt oft ein Ausreißer den Rendite­bonus. Fazit: Garantie ist gut, die Ertrags­chance muss trotzdem realistisch sein.

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