Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Falls Anleihenblase platzt, drohen Kursverluste

Die Anleihenzinsen befinden sich im freien Fall. Selbst für zehnjährige Laufzeiten bekommen Käufer von österreichischen Staatsanleihen nur noch 2,53 Prozent Rendite geboten.

Bei deutschen Papieren pendeln die Renditen derzeit sogar um die Zwei- Prozent-Marke. Zwar offerieren andere, riskantere Anleihensegmente noch etwas höhere Renditen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch ihre Erträge in die Nähe ihrer historischen Tiefststände gerutscht sind. Das braucht Sie als Besitzer von Anleihen und Anleihenfonds nicht zu stören. Im Gegenteil: Falls Sie Ihre Papiere früher, in Zeiten eines deutlich höheren Zinsniveaus eingekauft haben, haben Sie jetzt hohe Kursgewinne erzielt. Mit betont konservativen Papieren waren in den vergangenen 12 Monaten rund zehn Prozent Rendite zu holen, in aggressiveren Anleihensektoren wie zum Beispiel Schwellenland-Bonds noch deutlich mehr. Wer wissen möchte, was er mit seinen Fonds in den vergangenen 12 oder 36 Monaten verdient hat, kann zum Beispiel auf www.format.at , Stichwort Fonds, überprüfen, wie gut die einzelnen Produkte gelaufen sind.

Das Risiko steigt

Doch wie bei einem Fest lautet auch bei Wertpapieren das Motto: Man sollte gehen, wenn die Stimmung am Höhepunkt ist. Langsam, aber sicher baut sich jetzt am Anleihenmarkt eine Blase auf. Wann diese platzt, kann naturgemäß niemand exakt vorhersagen. Falls die Wirtschaft wieder in eine Rezession zurückfällt, können die Zinsen noch länger auf diesem Niveau verharren oder sogar weiter sinken. Klar ist aber, dass sich das Chancen-Risiko-Verhältnis von Anleihen in jüngster Zeit deutlich verschlechtert hat – und das gilt ganz besonders für solide Staatspapiere.

Falls sich der Zinstrend wieder nach oben dreht, sind deutliche Kursverluste bei bestehenden Anleihen programmiert. Faustregel: Falls die Zinsen einer zehnjährigen Anleihe um einen Prozentpunkt nach oben klettern, fällt der Preis des Papiers um etwa acht Prozent. Ein derartiger Anstieg könnte also bei deutschen Papieren die Zinsgewinne von vier Jahren ausradieren. Dabei ist die KESt gar nicht berücksichtigt, die die Rechnung noch ungünstiger gestaltet.

Nicht nur bei Aktien gilt die alte Anlegerregel, dass noch niemand durch Gewinnmitnahmen pleitegegangen ist. Das heißt ja nicht, dass man jetzt alle Anleihen verkauft. Schließlich stellt sich dann sofort die Frage, was man stattdessen mit dem Geld machen soll. Aber hier und da Kasse zu machen ist sicher keine schlechte Idee, zumal die Kursgewinne (im Gegensatz zu den Zinskupons) steuerfrei bleiben. Voraussetzung ist nur, dass man die Papiere wegen der Spekulationsfrist bereits länger als 12 Monate im Depot gehalten hat.

Das Geld, das man jetzt bei einem Verkauf kassiert, kann man zum Beispiel auf einem Sparbuch zwischenparken. Dort sind die Zinsen auch nicht üppig, aber es drohen wenigstens keine Kursverluste. Wer sein Geld jetzt weiter in möglichst ertragreichen Anleihen investieren möchte, sollte sich Fonds anschauen, die die Anleihensegmente flexibel wechseln dürfen . Hier kann der Fondsmanager versuchen, im Falle eines allgemeinen Zinsanstiegs solche Anleihen auszuwählen, die relativ ungeschoren davonkommen oder sogar noch Gewinne erzielen.

kwauka.martin@format.at

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