Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Die exotischen Aktien des Flugmeilen-Millionärs

Im Laufe seines Lebens habe er 30 Millionen Flugmeilen gesammelt, schätzt Mark Mobius, der Chef des Schwellenländer-Teams der Fondsgesellschaft Franklin Templeton. Nachdem der 73-Jährige die Flughäfen von Bangkok bis São Paulo längst wie seine Westentasche kennt, hat er jetzt die Gelegenheit, noch ab und zu etwas ganz Neues kennen zu lernen. Seit Oktober 2008 managt er den Templeton Frontier Markets (ISIN LU0390137031). Das Universum dieses Exoten-Aktienfonds reicht von Kambodscha und Kasachstan bis hin zu Georgien und Mauritius. Alles Länder, die erst vor kurzem auf der Börsenlandkarte auftauchten. Der Vorteil dieser Staaten ist, dass sich die Wirtschaft noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet und dementsprechend auch die Börsenkapitalisierung gering ist. Dafür ist das Wachstumspotenzial gewaltig. Zwischen 1992 und 2012, rechnet Mobius vor, ist in den etablierten Industriestaaten mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent im Jahr zu rechnen, in der ersten Reihe der Schwellenländer von China bis Brasilien mit 8,4 Prozent. In der zweiten Reihe der Entwicklungsländer, den sogenannten Frontier Markets, ist das Wachstumstempo mit jährlich 9,9 Prozent am höchsten.

Gut vom Startblock weggekommen  
Der Startzeitpunkt des Fonds auf dem Höhepunkt der Finanzkrise war nicht gerade glücklich gewählt; die Anleger kamen trotzdem ziemlich ungeschoren davon ( siehe Kursgrafik ). Nach einem verschmerzbaren Rückschlag am Anfang ist der Fonds flott unterwegs, hat inzwischen auf Euro-Basis insgesamt 68 Prozent Plus erzielt und liegt damit meilenweit vor seinem Vergleichsindex, dem MSCI Frontier Markets. Gerade in diesen kaum analysierten Newcomer-Börsen kann Mobius, der 250 Tage im Jahr im Flieger unterwegs ist, mit seiner Erfahrung besonders punkten. Angesichts der noch überschaubaren Fondsgröße von 186 Millionen Dollar ist es auch möglich, in illiquideren Märkten zu agieren.

Banken vor Lebensmmittelunternehmen
Am stärksten hat Mobius derzeit Nigeria vor Katar, Vietnam, Ägypten und Kasachstan gewichtet. Bei den Branchen dominieren Banken vor Lebensmittel- und Getränkeunternehmen sowie Telekom. Größte Einzelaktie ist der kasachische Energiekonzern KazMunaiGas Exploration vor der südafrikanischen ­Telekomgesellschaft MTN und der nigerianischen United Bank for Africa. Trotz des kräftigen Kursgewinnes der Aktien sind die Bewertungen nicht teuer, Mobius errechnet für sein Fondsportfolio ein aktuelles Kurs-­Gewinn-Verhältnis von 11,4. Fazit: Der Fonds öffnet Zugänge zu ganz neuen Börsen mit hohem Poten­zial, aber auch extremen Kursschwankungen. Der Altmeister der Schwellenlandbörsen hat aber zumindest in den vergangenen Monaten gezeigt, dass er und sein Team die Risiken relativ gut im Griff haben.

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