Martin Kwaukas Geldtipp der Woche: Ab 2010 wird Bankenbonität wieder wichtiger

Die Sparer zählten bisher eindeutig zu den Gewinnern der Finanzkrise: Weil die Banken dringend Liquidität benötigten, zahlten praktisch alle Banken schon für einjährige Zinsbindungen fünf Prozent und mehr. Außerdem garantierte der österreichische Staat für alle Einlagen in unbegrenzter Höhe – nicht nur für Privatkunden, sondern auch für alle Konten von Unternehmen. Diese paradiesischen Zustände neigen sich jetzt dem Ende zu. Mit Anfang Jänner 2010 sinkt die staatliche Haftung für Privatkunden auf 100.000 Euro. Das ist immerhin noch das Doppelte dessen, was die EU als Mindeststandard verlangt. So gibt es in Deutschland ab Neujahr nur noch gesetzlichen Schutz für 50.000 Euro. Der Betrag steigt allerdings 2011 auch auf 100.000 Euro. Übrigens: Es gibt zusätzlich eine neue Grenze von 20.000 Euro als potenzielle Anlegerentschädigung bei fehlerhaften Dienstleistungen im Bereich Wertpapiere. Gerechnet sind alle Beträge pro Kunde und Bank. Es hilft also nicht, bei einer Bank mehrere Konten oder Depots zu eröffnen.

Mehr Sicherheit durch Zweitbank
Für die Mehrzahl der privaten Bankkunden sind die Beträge völlig ausreichend. Nicht dagegen für Unternehmen, zumal hier ab dem kommenden Jahr auch in Österreich nur noch 50.000 Euro garantiert sind. Auch betuchte Privatkunden mit Einlagen jenseits von 100.000 Euro sollten sich die Bonität ihrer Bank besonders gründlich anschauen. Zwar ist aus heutiger Sicht keine der in Österreich tätigen Banken insolvenzgefährdet. Trotzdem kann es zur Vorsicht nicht schaden, gegebenenfalls die Einlagen zu splitten. Dabei lohnt sich ein Vergleich der Zinsen besonders, etwa über www.bankenrechner.at. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die Banken weitgehend Einheitszinsen offerierten, sind jetzt Hoch und Tief bei den Konditionen weit gespreizt.

Nationale Spezifika
Wer Geld bei ausländischen Instituten spart, sollte sich die spezifischen nationalen Regeln genau anschauen. In der Schweiz besteht bis Ende 2011 Schutz für 100.000 Franken, das entspricht etwa 65.000 Euro. In Deutschland gelten zwar nur die genannten 50.000 Euro, es gibt aber einen zusätzlichen freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Bei Fondsmitgliedern erstreckt sich der Schutz auch auf Filialen in Österreich. Das betrifft zum Beispiel die Deutsche Bank oder die ING-DiBa. Es sind für jeden Privat- und Geschäftskunden 30 Prozent des Eigenkapitals der Bank abgesichert. Das sind bei der Deutschen Bank viele Milliarden, auch bei der ING-Diba sind es mehr als ausreichende 1,18 Milliarden Euro. Kaum zu glauben, aber wahr: Dieser Betrag gilt pro Kopf. Natürlich ist fraglich, ob der Solidaritätsfonds der Bankbranche bei einer Pleite einer Großbank zahlungsfähig bliebe; eine zusätzliche ­Sicherung ist der Fonds allemal.

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