Martin Kwaukas Geldtipp: Stell dir vor, die Börsen steigen und keiner ist dabei

Eine alte Börsenregel heißt: Sell in May and go away. In den vergangenen Jahren wären Anleger tatsächlich oft gut beraten gewesen, im Mai Kasse zu machen. Jetzt ist es die derzeit spannendste Frage, ob das auch heuer eine lukrative Maxime ist. Auf der einen Seite waren die Börsen in den vergangenen Wochen extrem profitabel. So hat ein Weltaktienmix in den vergangenen drei Monaten auf Euro-Basis ­immerhin 16,9 Prozent zugelegt. Die in der Krise am heftigsten gebeutelten Börsen haben noch viel mehr gewonnen. In Deutschland stiegen die Aktien, gemessen am MSCI-Index, schon um 29,7 Prozent, in Österreich um 48,2 Prozent und in Korea sogar um über 50 Prozent (siehe Grafik ) . Das heißt: Wer mutig investiert hat, konnte seine Verluste vom vergangenen Herbst bereits wieder neutra­lisieren. Diese hohen Gewinne locken natürlich auch zu Gewinnmitnahmen.

Aufschwung verschlafen
Außerdem ist die Krise noch längst nicht ausgestanden. Falls sich abzeichnen sollte, dass die zahllosen Milliarden, die in den Wirtschaftskreislauf gepumpt werden, verpuffen, sind neuer­liche Rückschläge absehbar. Trotzdem überwiegen auf mittlere Sicht die Chancen auf weitere Kursgewinne. Ein Hauptgrund dafür sind die Großinvestoren. Sie haben den spektakulären Aufschwung der vergangenen Wochen großteils komplett verpasst und stehen nach wie vor passiv an der Seitenlinie, während das Spiel längst wieder ins Laufen gekommen ist. Viele dieser Investoren hoffen inständig, dass die Kurse wieder fallen, weil sie sonst eingestehen müssten, völlig falsch gelegen zu sein. Möglicherweise vergebens.

Aussicht auf massive Erholung
Wenn die Börsen weiter steigen, muss diese Horde der Vorsichtigen irgendwann den Sprung ins kalte Wasser wagen. Und dann werden die Kurse noch einmal an Fahrt gewinnen. Welche gewaltige Kraft am Werke ist, wenn sich Börsen wieder erholen, zeigt das Jahr 1999, das dem Crashjahr 1998 folgte: Damals haben sich viele Aktien verdoppelt, verdreifacht oder sogar vervierfacht.

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten