Martin Kwaukas Geldtipp: Incentives und Sonderprovisionen sind ab sofort tabu

Wenn ein Finanzberater freundlich, aber nachdrücklich ein bestimmtes Anlageprodukt empfiehlt, hat das oft ganz handfeste Gründe.

Falls zum Beispiel der Vermittler fünf Verträge unter Dach und Fach bringt, könnte ihm eine Belohnung winken. Das mag eine nette Geldprämie für die Erfüllung seiner Absatzvorgaben sein oder sogar ein Ticket für eine formidable Incentive-Reise mit Kollegen nach Paris. Da kommen Sie kurz vor Jahreswechsel natürlich gerade recht – die vier anderen erforderlichen Kunden werden schon noch folgen. Dass aufgrund spezieller Anreize bestimmte Produkte forciert werden, ist eher die Regel als die Ausnahme. Dabei muss es gar nicht um Incentives gehen, es reicht schon die Zahlung von höheren Provisionen für ein Produkt A als für das Produkt B. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Anfang Dezember schickte die ­Finanzmarktaufsicht (FMA) ein Rundschreiben aus, das solchen Interessenkonflikten einen Riegel vorschiebt. Betroffen sind nicht nur Banken, sondern auch Versicherungen, Vermögensberater und andere Vermittler von Wertpapieren.

Jeden Interessenkonflikt offenlegen
Laut FMA sollen unterschiedliche Provisionen für gleichartige Produkte oder ähnliche Vertriebsanreize ab sofort grundsätzlich tabu sein, weil so die Gefahr bestehe, dass nicht im Interesse der Kunden beraten werde. Sollten die kritisierten Belohnungssysteme trotzdem weiter angewendet werden, muss dies dokumentiert werden. Außerdem sind Berater verpflichtet, jedem Kunden vor Vertragsabschluss die „Art und Ursache des konkreten ­Interessenkonfliktes“ offen legen. Es darf bezweifelt werden, dass sich wirklich jeder Anlageberater daran hält und ab sofort alle seine Prämien transparent macht. Für die Kunden ist die Neuregelung trotzdem ein enormer Fortschritt: Sollte der Berater seine eigennützigen Motive nicht ausdrücklich deklarieren, hat der Kunde gute Chancen, das Geschäft nachträglich rückgängig zu machen – notfalls vor dem Zivilgericht. Deshalb der Tipp: Dokumentieren Sie genau, ob im Verkaufsgespräch von ­Interessenkonflikten die Rede war.

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten