Martin Kwaukas Geldtipp: Die Rezession ist die Zeit, in der Aktien wieder steigen

Eigentlich sollte man ja glauben, dass es an der Börse nichts zu verdienen gibt, wenn die Wirtschaft mitten in der Krise steckt. Tatsächlich kann man in dieser Phase aber gut verdienen, wie Statistiken über den Zeitraum von 1950 bis zum Jahr 2008 belegen. Keith Wade, Chefökonom der britischen Fondsgesellschaft Schroders, kommt anhand historischer Daten aus den USA zum Schluss, dass die beste Phase für Aktionäre ausgerechnet die Rezession ist – im Durchschnitt konnte man jährlich 9,9 Prozent mehr Rendite erzielen als am sicheren Geldmarkt (siehe Tabelle ). Absolut betrachtet waren die Gewinne also deutlich zweistellig. Erst die zweitbeste Phase ist der Boom mit einem ­Aktienertrag von 8,8 Prozent. Ursache dieser erstaunlichen Zahlen: Die Börse schaut typischerweise immer sechs bis neun Monate voraus. So gesehen ist die Rezession der Vorbote von besseren Zeiten. Und da die Kurse auf sehr tiefem Niveau sind, ist auch das Potenzial für Gewinne am höchsten.

Schädliches Boom-Ende
Wirklich schlecht ist der Abschwung, also der Teil des Anlagezyklus, wenn eine Boomphase gerade geendet hat. Hier verlor man mit Aktien annualisiert 8,1 Prozent. Außerdem stiegen in dieser Zeit auch die Kursausschläge, statistisch ausgedrückt durch die Volatilität, auf einen Spitzenwert von plus/minus 17,4 Prozent.
Der Abschwung ist nicht nur für Ak­tien Gift. Anleihen von soliden Firmen gerieten ebenso in die Verlustzone wie High-Yield-Anleihen von Unternehmen mit angegriffener Bonität, die mit minus 10,3 Prozent sogar noch schlechter abschnitten als Aktien. Selbst Staatsanleihen kamen, wenn auch nur minimal, unter Druck. Fazit von Schroders-Ökonom Wade: In Zeiten des Abschwungs sollte man am besten in Cash gehen.

Abschwung oder Rezession?
Die Gretchenfrage ist, wann die Abschwungphase, die im Sommer 2007 begann, endet. Vieles deutet darauf hin, dass wir die Talsohle noch nicht erreicht haben, sondern die Probleme in vielen Regionen und Branchen noch zunehmen werden. Deshalb ist es an der Börse auch noch nicht zu einer nachhaltigen Erholung gekommen, sondern es gab nur ab und zu ein trügerisches Strohfeuer.
Trotzdem sollte man jetzt schon gedanklich mit dem Fuß in der Nähe des Gaspedals stehen, weil die Ampel für Aktionäre und Anleger von Unternehmensanleihen schon bald wieder auf Grün umschalten wird. Wann das der Fall ist, ist auch für die Experten von Schroders angesichts der extremen Finanzkrise nicht sicher zu prophezeien. Sie wagen aber trotzdem eine Vorhersage: Irgendwann in der Zeit von jetzt bis zum Sommer 2009 geht es wieder bergauf.

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