Martin Kwaukas Geldtipp: BIC statt BRIC - profitabel durch die verlorene Dekade

Die Bilanz ist ziemlich ernüchternd. Wer Anfang 2000, kurz vor dem Platzen der Hightech-Blase, 10.000 Euro in einen internationalen Aktienfonds investierte, besitzt heute im Schnitt nur noch 6.500 Euro.

Bei Einzelaktien sieht es oft weit schlimmer aus: Ein scheinbar solider Blue Chip wie die Deutsche Telekom, der bei deren Allzeit-Hoch am 6. März 2000 kurzfristig 104,9 Euro kostete, dümpelt jetzt, ein Jahrzehnt später, immer noch bei 9,8 Euro herum. Der Kauf einer der damals hochgepriesenen Internetaktien führte sogar häufig zum Totalverlust. Mit einem Wort: Für die meisten Aktionäre war das vergangene Jahrzehnt eine verlorene Dekade.

Einsatz verdoppelt
Umso erstaunlicher ist die Entwicklung des französischen Investmenthauses Carmignac. Zwei Fonds haben das Geld der Anleger im ­gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Der Weltaktienfonds Carmignac Investissement (ISIN FR0010148981) machte aus 10.000 Euro Einsatz inzwischen 20.700 Euro. Noch ein bisschen besser lief es für den Carmignac Patrimoine (FR0010135103), der sogar auf 21.800 Euro stieg. Er hat nicht nur beim Ertrag die Nase vorn, sondern erzielte diese Wertsteigerung zudem ohne nennenswerte Schwankungen (siehe orange Linie im Chart ) . Der Mischfonds Patrimoine legt zwar in guten Börsenphasen bis zu 50 Prozent in weltweit gestreute Aktien an, sichert aber in kritischen Phasen die Aktienquote teilweise oder sogar vollständig ab. Das ist nicht nur im Börsenabsturz 2002/2003 gut gelungen, sondern auch wieder 2008/2009. Dadurch blieb im Jahr ein (wenn auch mikroskopisches) Plus von 0,01 Prozent übrig. Im März 2009, als die Börsen wieder nach oben drehten, wurde die ertragsbringende Aktienquote binnen weniger Tage von null auf 42 Prozent hochgefahren. Das Jahr 2009 endete mit einem Plus von 17,6 Prozent.

Verwalter von 35 Milliarden Euro
Inzwischen wird das erst 1989 gegründete Fondshaus mit Geld nur so zugeschüttet. Anfang 2009 verwalteten die Franzosen insgesamt 12 Milliarden Euro, heute sind es schon 35 Milliarden. Allein im Patrimoine liegen inzwischen 18,6 Milliarden, was natürlich die Frage aufwirft, ob die vergangene Performance bei diesem Fonds noch zu halten ist. Carmignac-Stratege Eric Le Coz glaubt jedenfalls, dass der Fonds weiter flexibel reagieren kann. Erstens seien die meisten Aktien große globale Blue Chips, nur drei Prozent seien Nebenwerte. Zweitens werden die Aktien bei schwachen Börsen nicht einzeln verkauft, sondern mithilfe von Index-Futures pauschal abgesichert. Das geht nicht nur schneller, sondern auch ohne unliebsame Effekte auf einzelne Aktien im Fonds. Die Aktienauswahl im Patrimoine erfolgt parallel zum reinen Aktienfonds Investissement. Der Unterschied besteht im Prozentsatz, in dem in Aktien investiert wird. Beide Produkte, die seit Februar auch in Österreich zugelassen sind, bestehen in ihrer Börsenkomponente zu einem Drittel aus Schwellenlandaktien, ziemlich gleich aufgeteilt auf Brasilien, Indien und China. Russland, ebenfalls Mitglied im Quartett der BRIC-Staaten, wird dagegen links liegen gelassen. Das Motto lautet bei Schwellenländern also nicht BRIC, sondern BIC – wie beim französischen Kuli.

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