Martin Kwaukas Geldtipp:
Bankgeheimnis fällt, Clevere reagieren rasch

Erinnern Sie sich noch an die wortstarken Bekenntnisse der Politiker zu den anonymen Sparbüchern? Abgeordnete aller Parteien standen einst wie ein Bollwerk zu diesem Austriacum – bis dann im Jahr 2000 die Geldwäsche-Bekämpfer der Industriestaatenorganisation OECD drohten, Österreich auf die Watch-List notorischer Schurkenstaaten zu setzen. Das hätte im Extremfall bedeutet, dass jede grenzüberschreitende Geldtransaktion einzeln auf Legalität geprüft worden wäre. Binnen kürzester Zeit wären der Außenhandel und der Tourismus existenziell gefährdet gewesen. Prompt war der österreichische Widerstand wie weggeblasen, und bereits am 1. November 2000 wurde das Ende der anonymen Sparbücher besiegelt.

Gezählte Tage
Heute bekennt sich die große Koalition ebenso unisono zur Aufrechterhaltung des Bankgeheimnisses, das ebenfalls ins Visier des Auslands geraten ist. Auch diesmal wird der internationale Druck so stark sein, dass das Bankgeheimnis spätestens in zehn Jahren Geschichte ist – nicht nur in Österreich, sondern auch in der Schweiz, in Liechtenstein und an anderen diskreten Adressen mit Verständnis für die Sorgen von Steuerflüchtlingen. Die Übermittlung von Daten von amerikanischen Abgabensündern an den US-Fiskus durch die Schweizer UBS zeigt, dass auch die Eidgenossen nur noch Rückzugsgefechte liefern. Und die Finanzkrise wird dafür sorgen, dass diesmal ein schlagkräftiges globales Bündnis entsteht, um die letzten Steueroasen schon bald trockenzulegen.
Für die weit überwiegende Mehrzahl aller Österreicher ist die Abschaffung des Bankgeheimnisses kein Malheur. Erstens ist das meiste Geld steuerlich völlig sauber. Und auch bei kleinen Vergehen sind keine echten Probleme zu erwarten – der heimische Fiskus ist längst nicht so aggressiv wie zum Beispiel die deutsche oder amerikanische Kollegenschaft.

Geparktes Schwarzgeld
Wer begründete Sorge hat, sollte überlegen, wie man das Geld rechtzeitig weißwäscht. Dafür gibt es einige praktikable Möglichkeiten. So kann man zum Beispiel Schwarzgeld unauffällig bei Geldinstituten parken, mit denen man ansonsten keine Verbindungen hat und die auch nicht am Heimatort tätig sind. Dort kann das Geld liegen, bis etwaige Steuerfälle nicht mehr verfolgt werden können. Bisher hat es noch nie Massenabfragen eines Finanzamts an alle oder eine größere Anzahl von Banken gegeben, ob ein Steuerhinterzieher irgendwo ein Konto hat. Und die Geldinstitute würden auf derartige Schrotschuss-Verfahren auch nicht reagieren.
Hinterzogene Abgaben verjähren seit dem Jahr 2005 bereits nach sieben Jahren (statt wie früher nach zehn Jahren). Es empfiehlt sich, im Fall der Fälle mit einem Steuerberater zu klären, wann die Verjährung tatsächlich greift.

Waschsalon Lebensversicherung
Wer Geld im Ausland gebunkert hat, kann eine Einmalerlags-Lebensversicherung als Waschsalon verwenden. Das Prinzip: Das Kapital muss mindestens zehn Jahre gebunden sein. Wenn anfangs die Versicherungssteuer an den österreichischen Fiskus bezahlt wird, beginnt die Verjährungsfrist zu laufen. Dies gilt auch bei Liechtensteiner Polizzen, bei denen die Versicherungssteuer anonym an den österreichischen Staat abgeführt wird. Man kann in Vaduz sogar ganze Wertpapierdepots einbringen. Und nicht zuletzt besteht die Hoffnung auf eine kulante Amnestieregelung, falls das Bankgeheimnis eines Tages fällt.

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