Martin Kwaukas Geldtipp: 2008 – verlustreichstes Jahr des Jahrhunderts

Das Börsenjahr 2008 könnte in die Geschichtsbücher als eines der schlechtesten seit Menschengedenken eingehen. Wenn man sämtliche Erträge der US-Börsen seit 1825 auflistet, steht bisher erst einmal ein Minus von mehr als 40 Prozent in den Annalen – das Jahr 1931. Heuer, am Beginn des vielleicht schlimmsten Konjunktureinbruchs seit den Dreißigerjahren, könnte die Bilanz an der Wall Street ähnlich verheerend ausfallen – Ende November notierten US-Aktien, in Dollar gerechnet, ebenfalls mit einem Minus von über 40 Prozent. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wird 2008 damit auch das schlechteste ­Aktienjahr im gesamten noch jungen 21. Jahrhundert. Diese Prognose gilt erst recht für die Wiener Börse, bei der heuer schon 67 Prozent Minus zu Buche schlagen. Auch in dieser Kolumne wurde das Ausmaß der Krise unterschätzt. Einige der Tipps waren im Rückblick voreilig optimistisch – ich bitte alle, die deswegen Verluste erlitten haben, um Entschuldigung.

Die Konsequenzen
Selbst in einem derartigen Desaster sollte man allerdings nicht vergessen, dass die Aktienkurse laut US-Langfriststatistik immerhin in 129 Jahren gestiegen sind und nur in 54 Jahren, also weniger als einem Drittel der Zeit, fielen. Und nicht selten folgte nach einem Crash eine spektakuläre Erholung.
Wer sich jetzt schwört, nie wieder einen Euro an der Börse zu investieren, sollte sich das also gründlich überlegen. Das gilt umso mehr für die langfristige Altersvorsorge, ganz gleich, ob individuell oder über Fondspolizzen oder Pensionskassen veranlagt wird.
Natürlich kann niemand sagen, ob 2009 schon wieder die Bullen triumphieren. Das Jahr 1932 war jedenfalls noch schwach negativ. 1933 folgte dann aber mit Gewinnen von über 50 Prozent eines der besten Börsenjahre überhaupt. Und der Montag dieser Woche zeigte, dass ein Anstieg plötzlich und sehr kräftig erfolgen kann.

Vorsicht angesagt
Trotzdem ist in den nächsten Wochen, möglicherweise sogar noch weit bis ins Jahr 2009, Vorsicht angesagt. Das volle Ausmaß der Krise ist vorerst nicht absehbar. Deshalb sollte man frisches Geld nur in Etappen investieren. Viele Börsen, die heuer besonders stark gebeutelt wurden, haben besonders hohes Aufholpotenzial. Das gilt gleichermaßen für die Wiener Börse wie für andere Crash-Märkte wie Russland und auch ­insgesamt für Osteuropa.
In Phasen wie diesen macht es mehr Sinn, ganze Märkte zu kaufen, etwa über Fonds, als mühsam einzelne Aktien herauszufiltern. Erstens besteht auch bei auf den auf den ersten Blick ­attraktivsten Unternehmen ein Restrisiko, dass doch noch Leichen im Keller liegen. Und wenn die Börsenindizes wieder steigen, werden Aktien ähnlich wahllos in die Höhe schießen, wie sie zuletzt gefallen sind.

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