Lieber Kreditkonto als Bankbilanzen sanieren

Ein Kredit, so eine alte Volksweisheit, ist wie ein Regenschirm, den man bei Sonnenschein bekommt, aber beim ersten Regentropfen zurückgeben muss. Tausende Häuslbauer, die sich den Traum von den eigenen vier Wänden mithilfe eines Frankendarlehens finanzieren, bekommen das in diesen Tagen zu spüren. Die Banken laden eindringlich zu Gesprächen ein, weil der Franken sich ja plötzlich als so unsicher erwiesen habe und man doch bitte in den sicheren Euro wechseln möge.

Was die Banken verschweigen: Es geht ihnen in erster Linie um ihre eigenen Interessen. Weil sie derzeit den Franken nur noch mit hohen Aufschlägen bekommen, verdienen sie nichts mehr oder zahlen sogar drauf. Das eigentliche Problem der Schuldner ist, dass der Tilgungsträger, der in den meisten Fällen mit dem Kredit verkauft wurde, jetzt weit unter Wasser liegt. Hier gibt es nur zwei sinnvolle Lösungen: Entweder man sitzt die Börsenkrise aus und hofft auf eine Erholung in den restlichen Jahren der Laufzeit. Oder – besser – man erhöht zumindest vorübergehend die Sparraten und nutzt so die tiefen Kurse aus, um langfristig besonders hohe Renditen zu verdienen.

Heute den Tilgungsträger zu stornieren wäre extrem kostspielig. Auch eine Stilllegung ist nicht zu empfehlen, weil dann ein Großteil der oft sehr hohen Abschlusskosten umsonst gezahlt wurde. Und zusätzlich noch aus dem Frankendarlehen auszusteigen ist die schlechteste Variante. Man muss dann im Euro sehr viel höhere Raten zahlen und nimmt sich den Spielraum, die eigenen Finanzen wieder ins Lot zu bringen. Außerdem stellt man den Frankenkredit auch noch zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt glatt. Der Franken dürfte in Zukunft eher wieder sinken als weiter steigen. Die Schweizer Währung hat nämlich in der Krise die Funktion eines sicheren Hafens. Deshalb fällt der Euro gegenüber dem Franken, wenn die Börsen verrückt spielen. Und wenn sich die Aktien wieder erholen, fließt umgekehrt das Geld aus der Schweiz ab, und der Euro steigt. In den vergangenen Jahren gab es im Auf und Ab von Börsen und Währung fast einen Parallellauf, wie der Vergleich des Dax-Index und des Euro-Franken-Kurses zeigt. Wenn man also schon das Risiko der Finanzierung reduzieren möchte, dann am besten in einer guten Börsenphase.

Dann gibt man allerdings für immer die Chance auf eine günstigere Verzinsung auf. Seit vielen Jahren liegen die Frankenzinsen etwa 1,5 Prozent niedriger als im Euro. Einziger Haken: Die Banken verdienen am Franken weniger. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Frankenkredite deutlich transparenter sind und man als Kunde die Marge gegenüber einem Basiszinssatz ausverhandeln konnte. Wenn jetzt viele Schuldner in den Euro wechseln, sanieren sie die Bilanzen ihrer Bank – aber nicht das eigene Kreditkonto.

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