Kwaukas Geldtipp der Woche: Mit Hebel der neuen Aktien-KESt entkommen

Noch bleiben sechs Wochen Zeit, um die neue Wertpapier-KESt auf Aktien und andere börsenorientierte Wertpapiere lange Zeit zu vermeiden. Ein geeignetes, aber ziemlich unbekanntes Mittel dazu sind Hebelzertifikate.

Während normale Zertifikate schon seit langem der KESt unterliegen, sind Papiere mit einem Hebel von 5 und höher derzeit noch von der KESt befreit. Nach Ablauf einer steuerlichen Behaltefrist von einem Jahr kann man den Gewinn steuerfrei behalten. Nun sind Zertifikate mit einem hohen Hebel für gewöhnlich derart heiße Eisen, dass diese oft nur wenige Stunden gehalten werden. Schließlich sind nicht nur die Gewinne gehebelt, sondern auch die Verluste. Aus 10 Prozent Börsenminus wird bei einem Hebel von 5 ein Verlust von 50 Prozent. Im schlimmsten Fall kann der Kaufpreis schon in kurzer Zeit wertlos verfallen.

Gezähmte Raubtiere

Doch es gibt auch ehemals wilde Raubtier-Zertifikate, die sich im Laufe der Zeit zu relativ zahmen Haustieren gewandelt haben. Neukäufer erwerben dann zum Beispiel ein Papier auf eine einzelne Aktie oder einen ganzen Index, das ursprünglich bei der Emission einen Hebel über 5 aufwies, mit einem aktuellen Hebel von 1,5 oder 2. Hintergrund: Bei den meisten Zertifikaten ändert sich der Hebel im Laufe der Zeit für diejenigen, die erst später einsteigen. Faustregel: Ist der Kurs seit dem ersten Verkaufstag gestiegen, nimmt der Hebel ab. Ist der Preis gefallen, nimmt der Hebel zu. Übrigens: Wenn man das Papier besitzt, bleibt der Hebel in der Regel immer gleich.

Der Clou: Papiere mit einem inzwischen nur noch kleinen Hebel kommen durchaus für längerfristige Investments infrage. Wer sie heuer noch kauft, bleibt nach der aktuell zu erwartenden Rechtslage auch in kommenden Jahren von der KESt verschont. Steuerlich entscheidend ist der Hebel zum Stichtag der Erstauflage, nicht der Hebel zum Zeitpunkt des Kaufs. Einige Zertifikateanbieter zeigen auf ihrer Homepage, welche Hebelzertifikate KESt-frei sind und welche nicht, so etwa die RCB unter dem Stichwort Turbozertifikate oder die Royal Bank of Scotland unter dem Punkt Mini Futures. Achtung: Wie bei allen Zertifikaten besteht das Risiko, dass der Emittent pleite geht. Und auch Papiere mit geringem Hebel können große Verluste verursachen.

- Martin Kwauka

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