Kwaukas Geldtipp der Woche: Goldminen - die Schatzkammern unter der Erde

Der Preis für physisches Gold ist seit Jahresbeginn um sechs Prozent gestiegen

Finanzmärkte funktionieren nicht immer nach logischen Gesetzen. Wie wäre es anders zu verstehen, dass der Goldpreis heuer um sechs Prozent gestiegen ist und jenseits von 1.500 Dollar pro Unze notiert, die Goldminenaktien aber eine schwere Zeit hinter sich haben? Wer als Euroinvestor einen Goldminenaktienfonds besitzt, hat seit Jahresbeginn im Durchschnitt mehr als 20 Prozent verloren. Mit anderen Worten: Ängstliche Anleger flüchten in physisches Gold als vermeintlich sicheres Investment und treiben den Preis hoch. Goldminen werden dagegen psychologisch eher als riskante Aktie angesehen denn als Schatzkammer.

So günstig wie lange nicht

Bei realistischer Betrachtung ist das natürlich ein Blödsinn. Die Minen verdienen derzeit besonders gut, da der hohe Goldpreis die Produktionskosten weit übersteigt. Während sich früher die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) von Minen im Bereich von 30 bis 50 bewegten, kann man heute schon zu einem KGV von 10 bis 20 fündig werden. Außerdem liegt der Wert einer Goldmine auch in physischer Form vor – zwar nicht im Tresor, aber tief unter der Erde.

Das kann man auch in Zahlen ausdrücken. Früher notierten die Aktien deshalb oft zum doppelten Buchwert, heute zum einfachen. Für Gold-Investments, gleich in welcher Form, spricht auch die anhaltende Staatsschuldenkrise als fast weltweites Phänomen. Deshalb wurde auch physisches Gold kaum vom Rohstoff-Crash von Anfang Mai erwischt. Seit Anfang 2002 haben übrigens alle wichtigen Währungen wie Euro, Dollar, Yen oder sogar der Franken gegenüber Gold massiv an Wert verloren. Viel spricht dafür, dass diese Entwicklung noch längst nicht beendet ist. Außerdem profitiert Gold vom Aufstieg der Mittelklasse in den Schwellenländern. Immer mehr Menschen besitzen genug Geld, um einen Teil in Gold oder Goldschmuck anzulegen. Der Branchenverband World Gold Council schätzt, dass sich allein die Nachfrage in China in den kommenden zehn Jahren verdoppeln wird.

Austrofonds holt auf

Seit vielen Jahren ist der BlackRock World Gold (ISIN LU0171305526) ein bewährter Klassiker mit einem herausragenden Management-Team. Allerdings ist er dank Milliardenzuflüssen inzwischen schon etwas behäbig geworden, weil er zu groß ist, um noch nennenswert in kleine, viel versprechende Minenaktien zu investieren. Der einzige österreichische Goldfonds, der Pioneer Gold Stock (AT0000675095), ist noch wesentlich beweglicher. Das hat dazu geführt, dass im Dreijahresvergleich der Pioneer-Fonds mit einem Plus von insgesamt 34,8 Prozent die Nase vorn hat, Das BlackRock-Team schaffte 27,2 Prozent. Fazit: Beide Goldminenfonds sind viel versprechend, die Auswahl eher Geschmacksache.

- Martin Kwauka

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