Kwaukas Geldtipp der Woche: Die Biotech-Branche wird wieder wachgeküsst

Wenn eine Branche bei den Anlegern in Ungnade gefallen ist, kann es ziemlich lange dauern, bis sich die Stimmung wieder dreht. Bei Biotechaktien dauerte die Flaute nach der Euphorie im Jahr 2000 immerhin elf Jahre.

Dabei haben sich die Geschäfte der Biotechunternehmen in dieser Zeit durchaus dynamisch weiterentwickelt. Inzwischen werden schon fünf der zehn umsatzstärksten Medikamente der Welt mit gentechnischen Methoden erzeugt. Künftig werden klassische Pharmapillen noch weiter ins Hintertreffen geraten, weil der Patentschutz vieler Verkaufsschlager in nächster Zeit abläuft (heuer zum Beispiel für die Herz-Kreislauf-Mittel Plavix und Lipitor; für Viagra endet das wichtigste Patent auch schon 2012).

Bei neuen Medikamenten, die sich in der letzten Testphase III befinden, haben dagegen Biotech-Arzneien eindeutig die Nase vorn, dasselbe gilt für die tatsächlichen Zulassungszahlen. Damit haben Biotech-Unternehmen gute Aussichten, neben Generika-Herstellern zum Hauptgewinner des weltweit wachsenden Gesundheitsmarktes zu werden. So wird sich laut Prognose der UNO der Anteil der über 60-Jährigen von zehn Prozent im Jahr 2010 auf 21 Prozent im Jahr 2050 mehr als verdoppeln.

Günstige Bewertungen

Jetzt wird die lange links liegen gelassene Branche an der Börse augenscheinlich wiederentdeckt. Die Kurse steigen schon seit dem Vorjahr an, auch die aktuelle Finanzkrise konnte den beginnenden Aufwärtstrend nicht stoppen. Offenbar fällt es jetzt immer mehr Investoren auf, dass die einst extrem teuer bewerteten Biotech-Aktien inzwischen ziemlich billig geworden sind. Im Schnitt der vergangenen 18 Jahre lag das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 30, in Spitzenzeiten sogar bei 70. Heute ist die Bewertung mit einem Wert von 14 dagegen recht moderat – vor allem angesichts des immer noch hohen Wachstumstempos.

Im Dreijahresvergleich der Gentechnik-Fonds liegt derzeit der Dexia Equity Biotechnology (ISIN LU0108459040) mit einem Durchschnittsgewinn von 23 Prozent per annum vorn. Wer vor drei Jahren 10.000 Euro in den Fonds der belgischen Dexia-Bank gelegt hat, besitzt jetzt 15.800 Euro. Im Durchschnitt haben vergleichbare Fonds das Vermögen der Investoren nur auf 11.700 Euro vermehrt. Ein Grund für das auffällig gute Abschneiden des Dexia-Fonds ist, dass der Manager Rudi von den Eynde, der den Fonds schon seit Gründung im Jahr 2000 betreut, sich einige Übernahmekandidaten rechtzeitig ins Depot gelegt hatte und von den seit dem Jahr 2009 verstärkt einsetzenden Firmenaufkäufen besonders profitieren konnte.

Mit 82 Prozent sind US-Aktien im Fonds stark vertreten. Die fünf größten Titel sind Gilead, Amgen, Biogen Idec, Life Technologies und Celgene.

- Martin Kwauka

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