Kwaukas Geldtipp der Woche: Bares auf der Seite kann Aktionären nicht schaden

Eigentlich ist die Welt der Aktionäre derzeit ziemlich heil. Die Gewinne steigen und steigen, und es dürfte nicht mehr lange dauern, bis die großen Indizes wie DAX oder Dow Jones die alten Rekordmarken aus dem Jahr 2007 durchbrechen.

Doch leider zeigen sich am Horizont alarmierende Gewitterwolken. Eine der größten Bedrohungen sind die immer teureren Hilfsmaßnahmen für die maroden Eurostaaten. So tauchte kürzlich ein heimliches Rettungspaket namens „Target 2“ auf. Dies ist offiziell nur ein schnelles Überweisungssystem mit der EZB im Mittelpunkt.

In den vergangenen drei Jahren entwickelte sich daraus aber ein über 300 Milliarden Euro schwerer Kreditrahmen der Euro-Sorgenkinder bei der Europäischen Zentralbank. Falls Griechenland und Co umschulden, wären die potenziellen Abschreibungen der EZB gigantisch. Um den Euro nicht zu gefährden, müssten die nationalen Notenbanken und letztlich die dahinter stehenden Staaten das verlorene Kapital nachschießen. Inklusive Target 2 summiert sich das Gesamtvolumen aller Stabilisierungszusagen inzwischen schon auf astronomische 1.480 Milliarden Euro, so die Berechnungen von Hans-Werner Sinn, dem Chef des deutschen ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts. Auf Deutschland entfallen davon 373 Milliarden, auf Österreich rund ein Zehntel dieses Betrages.

Das Dilemma der Anleger

Aktionäre befinden sich in einem unangenehmen Zwiespalt. Wer jetzt aus Sorge vor einer Eskalation der Eurokrise zu früh Kasse macht, verpasst möglicherweise hohe Aktienkursgewinne – und es gibt obendrein nicht einmal die Garantie, dass sich die vermeintlich krisenfesten Alternativen wie Anleihen im drohenden Finanzchaos als wirklich sicher erweisen. Wer dagegen im Falle eines Schuldenschnitts von Griechenland oder Irland mit einer zu hohen Aktienquote voll von einem anschließenden Börsencrash erwischt wird, muss mit hohen Verlusten rechnen. Das Wichtigste ist, schon jetzt zu überlegen, wie man im Fall des Falles reagieren will. Außerdem, so die Lehre aus den Börsenkrisen 1998, 2003 und 2009, kann es nicht schaden, heute hie und da Gewinne mitzunehmen. So hat man ausreichend Bares auf der Seite, um dann gegebenenfalls zu tiefen Kursen wieder einzusteigen.

- Martin Kwauka

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