Kwaukas Geldtipp der Woche: Anlegen in Zeiten einer möglichen Kernschmelze

Alle Versuche, die Krise auf Griechenland und ein paar kleinere EU-Sorgenkinder einzugrenzen, sind fürs Erste gescheitert. Inzwischen wankt nicht nur Italien, das Land mit den dritthöchsten Schulden der Welt.

Spekulanten und ängstliche Anleger haben es mit vereinten Kräften erreicht, auch Kernländer der Eurozone mit einem soliden AAA-Rating zu infizieren. Die stark steigenden Renditen für Staatsanleihen sind das alarmierende Symptom für eine mögliche Kernschmelze des Systems. Auch wenn immer noch berechtigte Hoffnungen bestehen, dass sich die Lage wieder beruhigt, sollte sich jeder Anleger die Frage stellen, wie gut das eigene Vermögen im Fall des Falles geschützt ist.

Einlagengrenze beachten

Ein aus heutiger Sicht verlässlicher Schutz gilt für alle Spar- und Giroeinlagen bis zur Höhe von 100.000 Euro pro Kunde. Was darüber hinaus reicht, sollte zur Sicherheit auf mehrere Banken verteilt werden. Achtung: Wer im Krisenfall massiv Aktien verkauft und damit zur Unzeit die 100.000er-Grenze übersteigt, könnte dadurch vom Regen in die Traufe geraten. Deshalb sollten auf der Depotbank nicht zu hohe Guthaben geparkt werden.

Bei Wertpapieren ist immer noch eine breite Streuung der beste Schutz. Wenn man schon am Euro zweifelt, sollte man einen entsprechenden Teil des Vermögens in anderen Währungsregionen anlegen. So konnten zum Beispiel in den vergangenen Tagen Kursverluste bei Euro-Staatsanleihen zumindest teilweise durch Dollar-Kursgewinne ausgeglichen werden. Außerdem kann das in Dollar notierende Gold den tiefen Fall eines Depots dämpfen.

Auch Aktien bieten als Sachwerte trotz der erheblichen Kursschwankungen eine sinnvolle Funktion im Worst Case. Bei der Auswahl der Titel ist die wichtigste Überlegung, welches Unternehmen gute Chancen hat, die Krise halbwegs glimpflich zu überstehen. Dazu sollten, wie von FORMAT heuer mehrfach empfohlen, genügend Cash-Reserven zur Verfügung stehen, um nicht zur Unzeit Papiere verkaufen zu müssen und um gegebenenfalls sogar bei tiefen Kursen nachkaufen zu können.

Falls die Krise eskaliert, sollte man kühlen Kopf bewahren. Wer zum Beispiel am Höhepunkt des Immoaktien-Crashs im März 2009 die Nerven verlor und Notverkäufe tätigte, hat fast alles Geld verloren und die anschließende Erholungsphase ganz verpasst.

- Martin Kwauka

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