Künstliche Erregung

Künstliche Erregung

Entrüstung allerorts. Ein Vizechef der Nationalbank, der im Verdacht steht, Bestechung gebilligt zu haben, das macht natürlich keinen schlanken Fuß. Aber ist diese Entrüstung über Wolfgang Duchatczeks Vorgehen tatsächlich angebracht?

Hat wirklich irgendjemand gedacht, wenn man Geschäfte in Ländern wie Syrien oder Aserbaidschan machen will, dass da niemals Geld fließt? Dass Aufträge ausschließlich wegen der guten Reputation und der Sachertorte als Gastgeschenk vergeben werden? Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner hat kürzlich erfrischend offen aus der Schule geplaudert : Ohne Schmiergeld lief in manchen Teilen der Welt gar nichts.

Tatsächlich liegt der Hund in der Causa OeBS, wie die Banknotendruckerei der Nationalbank salopp heißt, tiefer begraben. Zuallererst muss man sich nämlich die Frage stellen: Hat Österreich jemals wirklich eine derart überdimensionierte Banknotendruckerei gebraucht? Wahrscheinlich nicht. Da sie nun aber schon einmal dastand, musste sie eben auch mit Leben erfüllt werden. Wäre das nicht passiert, wäre Duchatczek wohl schon lange nicht mehr Vizegouverneur der Notenbank gewesen. Er wäre wegen Erfolglosigkeit schon vor Jahren seines Amtes enthoben worden.

Methoden wie sie in der OeBS über Jahre hindurch Sitte waren, sind bestimmt nicht gut zu heißen. Aber dieser Sturm der Entrüstung, der jetzt über Duchatczek hinwegfegt, kann wohl bestenfalls als geheuchelt und unehrlich bezeichnet werden.

- Angelika Kramer

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