Kein Umfeld für die besten Köpfe

Kein Umfeld für die besten Köpfe

Die Regierung macht Ämter im staatsnahen Bereich noch unattraktiver, als sie eigentlich sein müssten.

Die Erwartungen wurden hochgeschraubt: "Professionalisierung“, "Unabhängigkeit“ und "Unbefangenheit“ - all das sollte der neue Aufsichtsrat der Kärntner-Problem-Hypo in sich vereinen, versprach Finanzminister Spindelegger. Professioneller also als ein Schippel verdienter Manager und Top-Banker des Landes inklusive Ex-Nationalbank-Gouverneur?

Man durfte mit Recht gespannt sein. Und so wurde auch im Vorfeld an der Gerüchtebörse mit großen Namen jongliert. Das Team, das schließlich präsentiert wurde, entsprach, wenig überraschend, nicht den vollmundigen Ankündigungen. Eher der tristen Zukunft der Bank: Abbaueinheit eben. Wo etwa sind die dringend benötigten Insolvenz-und Rechtsexperten im Kontrollgremium?

Nun muss man zur Verteidigung des Finanzministers sagen, dass der Job eines Hypo-Aufsichtsrats nicht gerade der begehrteste unter der Sonne ist. Wer will schon gerne eine Bank in die ewigen Jagdgründe begleiten? Das allein ist aber nicht der Grund, weswegen hier nicht ein Team der besten Köpfe (O-Ton Spindelegger über seine Regierungskollegen) rausgekommen ist. Denn das dafür nötige Umfeld ist nicht vorhanden. Die in der Öffentlichkeit durch den Finanzminister dermaßen hochgeschraubten Erwartungen erschweren die Suche genauso wie dessen strikte Vorgabe eines Aufsichtsratschefs - unter völliger Negierung des heimischen Aktiengesetzes. Und wer lässt sich gerne ein Amt umhängen, dessen Ex-Inhaber zuvor öffentlich - implizit - wenig professionelles Wirken bescheinigt wurde?

So gesehen eigentlich gut, dass man sich nach monatelangem Hin und Her und zahlreichen - wahrscheinlich teuren - Expertisen dazu entschlossen hat, bei der Verstaatlichtenholding ÖIAG nun doch alles beim Alten zu belassen. Wie hätte wohl ein neuer Aufsichtsrat bei der ÖIAG ausgesehen in einem Umfeld, in dem heute "Hü“ und morgen "Hott“ gesagt wird? Wo von der Regierung einmal von Aufwerten der Holding und im nächsten Atemzug von deren Ende philosophiert wird. Das ist wirklich kein Klima, in dem sich die besten Köpfe wohlfühlen würden.

- Angelika Kramer

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