Kärntner Inzucht ist "Part of the Game"

In Kärnten gelten andere – eigene Regeln. Diesen Umstand hat das südlichste Bundesland nicht nur Jörg Haider zu verdanken, sondern einer lange gewachsenen Paranoia.

Kärntner Inzucht ist "Part of the Game"

Seit dem blutigen Abwehrkampf 1918/19 fühlt sich das südlichste Bundesland verfolgt und im Stich gelassen. Wien gilt seit jeher als Feind.

Die FPÖ, dann BZÖ und schlussendlich die FPK gelten in weiten Teilen der Kärntner Bevölkerung als Speerspitze gegen Wien. Nach dem Tod Jörg Haiders noch viel mehr. Ein Wir-Gefühl hat sich seit der Übernahme des Landeshauptmann-Postens durch Gerhard Dörfler eingestellt – frei nach dem Motto: "Jetzt erst recht!". Abzulesen war das auch an für nicht möglich gehaltenen Wahlerfolgen der FPK.

Die politischen Nebenwirkungen dieser "Zusammenhalts-Bewegung" werden nun aber immer offensichtlicher. Denn es wurden Personen an politische Schaltstellen gespült, denen es zum einen an Kompetenz fehlt, zum anderen an moralischer Qualität, um nicht der Korruption zu erliegen. Zudem mangelt es den meisten an Rückgrat. Das zeigt auch das Beispiel Uwe Scheuch: Der Ex-Landeshauptmann-Stellvertreter wählte mit seinem Rückzug aus der Politik nicht nur den moralisch letztmöglichen Zeitpunkt, sondern setzt gleich noch seinen älteren Bruder an seine Stelle. Dreister geht es kaum. Aber im politischen Inzucht-Stadl Kärntens ist das leider "Part of the Game".

Freilich fehlt es in Kärnten an politischen Alternativen. Nirgends in Österreich sind die Landesparteien personell derart schwach aufgestellt. Daher könnte das "Jetzt erst recht!" auch bei den nächsten Wahlen entscheidend sein. Uwe Scheuch könnte dann seinem Vorbild Jörg Haider folgen und einfach sagen: Ich bin wieder da! Für Kärnten ganz und gar nicht ungewöhnlich.

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