Jöö, so viele Experten!

Jöö, so viele Experten!

Angelika Kramer über das plötzliche Überangebot an Finanzexperten.

Österreich ist bekanntlich ein kleines Land. Entsprechend klein ist deshalb auch die Zahl seiner Experten. Jetzt, wo das wahre Desaster in Salzburg offenbar wird, schießen sie aber auf einmal wie Schwammerln aus dem Boden, die "Experten“. Und sind mit Rat und Tat zur Stelle. Wie etwa die Experten von der Bundesfinanzierungsagentur, die nun den Ländern erklären sollen, wie sichere Veranlagung wirklich funktioniert. Jene Bundesfinanzierungsagentur, die vor drei Jahren 300 Millionen Euro Steuergeld in den Sand gesetzt hat, soll nun der Weisheit letzter Schluss sein.

Auch Nationalbank-Präsident Ewald Nowotny weiß nur zu gut, wo es langgeht. Er ruft nach professionellerem Management und Zentralisierung der Finanzveranlagung. Jener Ewald Nowotny, der als Chef der Bawag PSK dafür verantwortlich zeichnete, dass die Stadt Linz in die hochspekulative Franken-Swap-Falle tappte. Diese Franken-Swaps sind für die Bank und die Stadt existenzgefährdend. Und auch bei so manchem Berater, der nun zum Aufräumen vom Land Salzburg beigezogen wird, fragt man sich, ob hier nicht der Bock zum Gärtner gemacht wird. Sie sollen nun aufräumen, was sie über Jahre dem Land mit Verve eingebrockt haben.

All die Beispiele zeigen überdeutlich, dass in einem Fall, bei dem so viel auf dem Spiel steht, Patriotismus fehl am Platz ist. Geben wir doch zu, dass wir für derart komplexe Probleme nicht gerüstet sind, und überlassen wir die Aufklärung lieber internationalen, echten Experten. Die gar nicht den Anschein von Befangenheit erwecken.

- Angelika Kramer

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten