Jetzt langfristige Zinsen am Sparbuch sichern

Für die meisten Sparer gibt es eine klare Präferenz: Je kürzer das Geld gebunden ist, desto besser. Wenn zum Beispiel der gleiche Zinssatz für ein halbes Jahr Bindung geboten wird, den man auch für ein Jahr erhält, wird demgemäß fast immer die Sechs-Monatsbindung bevorzugt. Nach dieser Maxime ist die derzeitige Zinslandschaft fast paradiesisch: Für täglich fälliges Geld bekommt man teilweise sogar höhere Zinsen als für lange Bindungen.

Die Frage ist allerdings, ob dieser Zustand anhält. Normalerweise sind nämlich die kurzen Zinsen immer niedriger als die langen. Das gilt auch bei Anleihen: Wer sein Geld auf zehn Jahre veranlagt, erwartet dafür eine gewisse Prämie gegenüber Papieren mit zwei oder fünf Jahren, weil Papiere mit langen Laufzeiten höheren Kursschwankungen unterliegen. Wir leben aber derzeit in einer Ausnahmephase, es gibt seit 2007 eine sogenannte inverse Zinsstruktur, bei der die kurzen Zinsen sowohl an den Kapitalmärkten als auch bei den Sparzinsen höher sind als die langen Zinsen. Solche Situationen kommen üblicherweise nur beim Übergang von einer Hochkonjunktur zu einer Rezession vor.

In den letzten Tagen haben sich die Unterschiede zwischen beiden Zinsniveaus sogar noch ausgeweitet. Der wichtigste Kurzfristzinssatz der Eurozone, der 3-Monats-Euribor, erreichte in dieser Woche einen Wert von 5,38 Prozent, während die Rendite einer zehnjährigen österreichischen Bundesanleihe auf 4,08 Prozent zurückging. Die Ursache: Einerseits sind die Banken händeringend auf der Suche nach kurzfristiger Liquidität und zahlen dementsprechend viel, andererseits flüchten die Anleger in den sicheren Hafen der Staatsanleihen, was deren Zinsen deutlich sinken lässt.

Diese krisenbedingte Ausnahmesituation wird nicht ewig anhalten. Erstens hat die Europäische Notenbank die Leitzinsen, die vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen, um ein halbes Prozent auf 3,75 Prozent gesenkt. Deshalb wird auch der Euribor-Zinssatz, der für Geschäfte zwischen Banken gilt, bald wieder zurückgehen – auch weil die Banken irgendwann wieder beginnen werden, sich untereinander Geld ohne extreme Risikoprämien auszuleihen.

Schon in ein paar Monaten könnten sich sowohl die Konditionen für kurzfristige als auch für länger gebundene Spareinlagen deutlich verschlechtern. Deshalb macht es Sinn, für die Beträge, die nicht unmittelbar verfügbar sein müssen, jetzt eine mehrjährige Bindung einzugehen und damit eine rezessionsbedingte Niedrigzinsphase zu durchtauchen. Für den Teil des Vermögens, der kurzfristig als Reserve dient oder bei passender Gelegenheit wieder an den Börsen investiert werden soll, kann man dann immer noch die lukrativen Kurzfristzinsen nutzen.

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